Katharina Adler: Iglhaut

Sie hat eine Vorliebe für Whiskey-Cocktails und alte Sozialdemokratinnen, hat schlechte Backenzähne, Geldprobleme und ein Talent für den Umgang mit Holz: Iglhaut, die im Hinterhof eines Münchner Mietshauses ihre Werkstatt unterhält. Die freiheitsliebende Iglhaut, die sich immer wieder - ohne eigenes Zutun und definitiv gegen ihren Willen - in nachbarschaftliche Angelegenheiten verstrickt.

Katharina Adlers Iglhaut ist eine Heldin, deren Charme nicht zu erliegen, schier unmöglich ist.  Aus dem Holz für verlässliche Beziehungen ist sie aber nicht gemacht, weder in der Liebe noch im Geschäft. Auch ihre Laune: so wandelbar wie das Wetter. Dabei will sie eigentlich nur ihre Ruhe, Ruhe für sich, die Hündin und ihre Arbeit. Doch dann steht da plötzlich eine alte, komplizierte Liebe, drängen immer mehr Anwohner und ihre Geschichten - cholerisch, komisch, ungebeten - in diesen zutiefst menschlichen Roman. Einen Roman, der das Leben feiert, ohne die Augen zu verschließen vor dem, was ist.

 

Katharina Adler: Iglhaut, Rowohlt, 23 €

 

 

Bettina Flitner: Meine Schwester

 

Kann ein Buch einen Lebensschmerz überwinden? Ja.

Als die Fotografin Bettina Flitner vor einigen Jahren vom Suizid ihrer geliebten Schwester erfuhr, waren die ersten Reaktionen Schock, Lähmung und Verzweiflung. Doch dann entschied sie sich zum Erzählen. 
Mit einem an der Fotografie geschulten, unbestechlichen Blick, voller Hingabe, Witz und Traurigkeit erzählt Bettina Flitner die Geschichte einer innigen Geschwisterbeziehung: eine Kindheit der 70er Jahre, die Jahre auf der Waldorfschule, die Erinnerung an die charismatischen Großeltern, darunter ein berühmter Reformpädagoge, der Vater ein Kulturmanager und Exponent des links-liberalen Bildungsbürgertums der alten BRD, ein Jahr in New York, die Ferien auf Capri, die ersten Liebesabenteuer in der Pubertät. Und dann die Risse: die Überforderung der Kinder durch das Leben der Eltern im Zeichen sexueller Libertinage, die Flucht der Mutter in die Depression, die unerfüllbaren Berufserwartungen der Eltern an die Töchter. Bettina Flitners Buch ist ein bewundernswert mutiger Schritt, sich den Gespenstern der gemeinsamen Vergangenheit zu stellen, sich von diesen zu befreien und so den Tod geliebter Menschen verarbeiten zu können. Ein Buch über ein Thema, das für viele Menschen immer noch von Tabus und Schweigen besetzt ist.

 

Ein sehr intimes, trauriges, aber zugleich überaus hoffnungsvolles Buch.

 

Bettina Flitner: Meine Schwester, Kiepenheuer & Witsch, 22 €

 

 

Fanny André: Zwei am Meer

 

Mit über achtzig ist noch lange nicht Schluss, entscheidet Camille. Die alleinstehende Dame hat als Mutter und Ehefrau lange ihre Bedürfnisse zurückgestellt und möchte an ihrem Lebensabend noch einmal etwas erleben.
Irgendwann ist auch mal Schluss, entscheidet Isabelle und kündigt ihren Job. Eingebunden in ein stressiges Arbeitsleben, hat sie ihre eigenen Wünsche und Ziele aus den Augen verloren. Als sich die beiden Frauen auf der Beerdigung von Arnaud, Camilles Sohn und Isabelles Ex-Mann, nach Jahren wiederbegegnen, stellen sie fest, dass sie mehr verbindet als die gemeinsame Trauer. Ein lange vergessener Traum kommt ihnen wieder in den Sinn: Eine Reise durch die Normandie und die Bretagne. Aber ist es dafür nicht zu spät? Nein, bestimmt Camille. Was als spielerischer Wettstreit darum beginnt, welche der beiden Regionen mehr zu bieten hat, entwickelt sich bald zu einem Roadtrip, der alles verändert.

 

Fanny André: Zwei am Meer, DuMont, 22 €

 

 

 

Fatma Aydemir: Dschinns

 

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach.

Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet.

 

Voller Wucht und Schönheit fragt "Dschinns" nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

 

Fatma Aydemir: Dschinns, Hanser, 24 €

 

 

Yasmina Reza: Serge

Die Geschwister Popper: Serge, verkrachtes Genie und Frauenschwarm, Jean, der Vermittler und Ich-Erzähler, und Nana, die verwöhnte Jüngste mit dem unpassenden spanischen Mann. Eine jüdische Familie. Nach dem Tod der Mutter entfremdet man sich immer mehr. Zu ihren Lebzeiten hat keiner die alte Frau nach der Shoah und ihren ungarischen Vorfahren gefragt. Jetzt schlägt Serges Tochter Joséphine einen Besuch in Auschwitz vor. Virtuos hält Reza das Gleichgewicht zwischen Komik und Tragik, wenn bei der touristischen Besichtigung die Temperamente aufeinanderprallen. Hinter den messerscharfen Dialogen ist es gerade die existentielle Hilflosigkeit dieser Menschen, die berührt.

Yasmina Reza macht in ihrem neuen Roman vor keinem Tabu halt. Absurde Dialoge, skurrile Details und eine sehr genaue Beobachtungsgabe machen diesen Roman so besonders.

 

Yasmina Reza: Serge, Hanser, 22,- €

 

 

Willi Achten: Rückkehr

»Es war jene Sommernacht, die unser Leben änderte.«
Jakob Kilv kehrt zurück in das Dorf seiner Kindheit. In der archaischen Natur der Berge kommen Erinnerungen an den letzten Sommer der Jugend hoch. Die alten Freunde sind geblieben - Bruno, Ranz, Zwoller. Auch seine Jugendliebe Liv war nie fort. Damals engagierten sie sich gegen den ansässigen Liftmogul, der das Tal mit einem irrwitzigen Projekt für den Skitourismus öffnen wollte. Ihr Protest lief aus dem Ruder, einer der Freunde verlor sein Leben. Was geschah wirklich in jenem Sommer? Und was passierte zwischen Jakobs Mutter und Bruno - ahnte sein Vater etwas? Jakob muss noch einmal entscheiden, ob er an diesem Ort bleiben kann.

"Besonders begeistert die Sprache. Willi Achten ist in einem Dorf am Niederrhein aufgewachsen und lebt heute in der Nähe von Aachen. Er arbeitet auch als Lyriker, was man dem Roman auf angenehme Weise anmerkt. Die Sätze haben Rhythmus, die Worte sind genau gewählt. Und dennoch wirkt die Sprache niemals überladen. Sie hat Leichtigkeit und Genauigkeit." (Stefan Klein, WDR 1)

 

Willi Achten: Rückkehr, Piper Verlag, 22,- €

 

 

Sybille Hein: Eure Leben, lebt sie alle

Fünf Frauen. Die älteste von ihnen, Marianne, ist gerade 80 geworden, Mutter des viel zu früh verstorbenen Jonas, eines aufstrebenden und sehr charismatischen Musikers. 20 Jahre sind seit seinem Tod vergangen und immer noch ist sie mit vier seiner ehemaligen Freundinnen eng verbunden.

Während Marianne mit dem Älterwerden kämpft und ihre Vergangenheit sie Stück für Stück einzuholen scheint, sortieren Ellen, Freddy, Luise und Johanna gerade ihre Leben neu. Freddy kämpft nicht nur mit ihrem Gewicht, sondern auch um eine mögliche Finanzierung des Pflegeheimplatzes für ihren Vater, die sie nicht in den eigenen Ruin treibt. Luise, die niemand so richtig für voll nimmt, versucht, ihre Bilderbuchfamilie zu managen und übersieht, dass sich ihre eigenen Vorstellungen mitnichten mit denen ihrer Kinder und ihres Ehemanns decken. Ellen setzt als Psychologin den Problemen ihrer Patienten immer bessere Ratschläge und Rezepte entgegen, aber die eigenen entgleiten ihr völlig, als sie ihre Berufstätigkeit reduziert, um als Sängerin ein Comeback zu starten. Und zu guter Letzt ist da noch Johanna, die noch nie richtig Boden unter den Füßen bekommen hat, und nach einem Sprung vom Balkon im Krankenhaus liegt.

Jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen die fünf Frauen abwechselnd aus ihrem Alltag und vom dem, was sie aktuell bewegt. Jede hat mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen und auch charakterlich könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Liebenswert sind sie alle – mehr oder weniger. Besonders amüsant wird es, wenn einzelne Handlungsdetails aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Sybille Hein hat als Kinderbuchautorin und Illustratorin schon auf sich aufmerksam gemacht, und auch auch auf deutschen Kleinkunstbühnen für Furore gesorgt. Ihr erster Roman für Erwachsene lebt von einem ganz eigenen Humor und einem zärtlichen Blick auf das Leben, und von den kleinen Alltagsszenen, wie wir sie alle, so oder ähnlich, durchleben können.

Fazit: eine sehr lebendige und lebensnahe Lektüre rund um ein originelles Frauengespann!

 

Sybille Hein: Eure Leben, lebt sie alle, DTV, 20,- €

 

 

 

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden

Eine Kindheit um 1960, in einer Stadt, nicht groß, nicht klein. Ein bürgerlicher Haushalt, in dem viel Musik gemacht wird. Der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen.
Überall spürt der Junge Risse in dieser geordneten Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie.
Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder seiner selbst betrachtet, erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Wenn sich der dreiundsiebzigjährige Edgar Selge gelegentlich selbst einschaltet, wird klar: Die Schatten der Kriegsgeneration reichen bis in die Gegenwart hinein.
Edgar Selges Erzählton ist atemlos, körperlich, risikoreich. Voller Witz und Musikalität. Ob Bach oder Beethoven, Schubert oder Dvorák, Marschmusik oder Gospel: Wie eine zweite Erzählung legt sich die Musik über die Geschichte und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit.

 

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden, Rowohlt, 24 €

 

 

Gisela Steinhauer: Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm

Wenn das Leben neue Wege geht ... Von Menschen mit Mut zum Neuanfang

 

Die Journalistin und Autorin Gisela Steinhauer hat in den letzten 30 Jahren Tausende von Menschen interviewt, und von denen, die sie am meisten beeindruckt haben, erzählt dieses Buch. Gisela Steinhauer hörte zu und fragte nach und lernte nicht vorschnell zu urteilen. Sie ist der festen Überzeugung, dass der eine oder die andere darunter ist, der oder die uns vielleicht zu einem eigenen Umdenken und Neuanfang begeistern können. Wir lernen "schräge Vögel" kennen, die ihre Flugrichtung geändert haben. Den Schreiner aus Bochum, der zum Ritter geschlagen wurde, einen U-Boot-Kommandanten, der sich zum Schamanen ausbilden ließ, eine Bembel-Töpferin, die in den Sinai zog und Touristen durch die Wüste führt - um nur einige zu nennen.

 

Gisela Steinhauer: Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm, Westend, 18 €

 

 

 

Benjamin Myers: Offene See

 

England im Jahr 1946. Der sechzehnjährige Robert empfindet eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Er begibt sich auf eine Wanderung, bevor er seiner Bestimmung, wie schon sein Vater unter Tage zu arbeiten, folgen soll. Einmal möchte er das Meer sehen und erleben.
Als er bereits einige Tage unterwegs ist und die Küste schon sichtbar ist, trifft er auf Dulcie, die dort mit Ihrem Hund in einem heruntergekommenen Cottage lebt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus einem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben.
 Als Dank für Ihre Großzügigkeit bietet Robert seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet Dulcie ihm dieses. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.
Offene See ist eine wunderbare in ruhigen und poetischen Tönen erzählte Geschichte rund um die Frage, wer man ist und wer man sein will. Ein Roman voller Naturbeschreibungen, tiefgründiger Charakterisierungen und einer Geschichte, die sehr berührt.

 

Benjamin Myers: Offene See, Dumont, 12 €

 

 

Fabio Andina: Tage mit Felice

 

 

Eines der besten Bücher gegen den Corona-Blues: sein Held ist Felice, ein 90 Jahre alter Kauz aus einem Tessiner Berdorf, ein so einfacher, klarer, freier Geist. Mit ihm steigen wir frühmorgens barfuß auf zum täglichen Bad in einer eiskalten Gumpe, sammeln Kräuter für Abenteuertees, tauschen Pilze gegen Käse, pflücken Kakis, schlagen Holz, pflegen unsere Rituale, leben glücklich alleine in dem kleinen Haus und glücklich in der Gemeinschaft der anderen Dörfler, schrullige Typen wie unser Felice. 

Da passiert nicht viel, doch alles bringt uns zurück zu dem, was wirklich wichtig ist im Leben.

 

Fabio Andina: Tage mit Felice, Piper, 12 €

 

 

Mary Beth Keane: Wenn du mich heute wieder fragen würdest

 

Als die Gleesons und die Stanhopes in dieselbe Nachbarschaft ziehen, scheinen die Weichen für ein freundschaftliches Miteinander gestellt, sind die beiden Familienväter zudem Kollegen bei der New Yorker Polizei. Lena Gleeson fühlt sich in der neuen Gegend ein wenig einsam und versucht mit Anne Stanhope Freundschaft zu schließen. Doch deren kühle, distanzierte Art verhindert jeden Kontakt. Erst ihre Kinder bringen die Gleesons und die Stanhopes wieder miteinander in Verbindung. Lenas jüngste Tochter Kate und Annes einziger Sohn Peter sind von Anfang an unzertrennlich. Aber ihre aufkeimende Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als eine Tragödie beide Familien für lange Zeit auseinanderreißt.  

 

Nur eine moderne Romeo-und-Julia-Geschichte? Nein. Dieser Roman ist viel mehr.

Ein Familienroman, ein Pageturner im besten Sinne, der vom Existenziellen handelt - vom Vergeben und Verzeihen, beeindruckend und psychologisch tiefgründig erzählt. Mary Beth Keane nennt unter anderem Elizabeth Strout als Vorbild. Eine ausgezeichnete Wahl, die ihrem Schreiben ganz offensichtlich zu Gute kommt. 

 

Mary Beth Keane: Wenn du mich heute wieder fragen würdest, Eisele Verlag, 16 €

 

 

Jasmin Schreiber: Marianengraben

 

Paula schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit, als ein Unfall plötzlich alles ändert. Ihr kleiner Bruder Tim, den sie mehr als alles in dieser Welt geliebt hat, kommt bei diesem Unfall ums Leben und auf einmal ist nichts mehr, wie es vorher war. Paula rutscht in eine tiefe Depression, ihre Trauer überschattet plötzlich alles. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Kerl, den sie eines nachts zufällig auf dem Friedhof kennenlernt, weckt in ihr neuen Lebensmut, sie nähern sich an und begeben sich auf eine gemeinsame abenteuerliche Reise in die Berge.
Jasmin Schreiber hat einen Roman geschrieben, der ein sehr trauriges Thema behandelt. Es geht um den Tod und die Gefühle der Hinterbliebenen. Und sie weiß worüber sie schreibt, ehrenamtlich hat sie sich lange Jahre als Sterbebegleiterin engagiert. Dennoch zieht dieses Buch trotz aller Traurigkeit den Leser nicht runter - das macht den Roman so besonders. Immer wieder gibt es Szenen und Momente, die wirklich komisch sind und den Leser zum Lachen bringen. Dass Witz in einem so traurigen Buch funktioniert, zeigt Jasmin Schreiber auf beeindruckende Weise hier in ihrem Debütroman.

 

Jasmin Schreiber: Marianengraben, Eichborn, 12 €
 

 

Marco Bolzano: Ich bleibe hier

 

Wir befinden uns in einem idyllischen Bergdorf im Südtirol der 30er und 40er Jahre. Die Faschisten unter Mussolini haben die Macht übernommen und stellen die Menschen vor die Wahl: entweder nach Deutschland auszuwandern, oder als Bürger 2. Klasse in Italien zu bleiben. Trina, eine junge Lehrerin, entscheidet sich in ihrem Dorf zu bleiben, obwohl sie hier nicht unterrichten darf. So unterrichtet sie heimlich unter großen Gefahren, aber mit viel heimlicher Unterstützung. Und sie bleibt auch nach dem Krieg, als das Dorf einem Stausee weichen soll ...!
Marco Bolzano erzählt in "Ich bleibe hier" mit einfühlsamer Sprache die Geschichte dieser jungen kämpferischen Frau. Gleichzeitig erinnert er uns aber auch an die zu oft vergessene Geschichte Südtirols.

 

Marco Bolzano: Ich bleibe hier, Diogenes, 13,- €

 

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

 

Mariana Leky kann zaubern. Über die Lektüre ihres Romans „Was man von hier aus sehen kann“ wirken ihre Kräfte vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder literarischer Bildung im tiefsten Inneren eines Menschen. Ein breites Lächeln, gerundete Augen, die Körpersprache seliger Versunkenheit sind nur äußere Symptome, drei von vielen.
Haben wir je zuvor ein solches Buch in deutscher Sprache lesen dürfen? Eines, das alle verzückt, auch die schärfsten Kritiker des Feuilletons? Das in einem Dorf in tiefer Provinz die ganze Welt abbildet und hier die großen Themen ausbreitet, das Leben, das Sterben und vor allem die Liebe, die nahe und die ferne, die unerreichbare und die sich erfüllende? Das immer wieder ein Okapi als Todesboten in die Träume von Großmutter Selma entsendet und den magischen Realismus im Westerwald neu beheimatet? Das vom Wunder des Menschseins erzählt, indem es über ein Vierteljahrhundert seine Dörfler begleitet, ein jeder ausgeprägt individuell bis extrem skurril, aber vorbehaltlos liebenswert? Das weiß, dass alles eins ist und „die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben“ einfordert?
Das, nachdem die letzte Seite gelesen ist, mit seinem Charme, seiner Fantasie, seinem Witz und seiner Originalität unwiderstehlich dazu verführt, sofort nochmals von vorne zu beginnen?

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, DuMont Verlag, 12 €

 

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir

 

Endlich als Taschenbuch verfügbar, dieser Roman, der uns allen den Atem verschlagen hat. Der berichtet von der 40jährigen Lehrerin Ilaria, die glaubte, ihren Vater und ihre Familie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters ... Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.
Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im "richtigen" Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir, btb, 12 €

 

 

Sandra Grimm: Der kleine Flohling - Wunder im Littelwald

 

Flohling, Lisbet und ihre Freunde sind zwar kleine Waldwichtel, aber sie haben ein großes Herz - vor allem für Tiere. Deshalb freuen sie sich ganz besonders auf die Sommerschule im Wald. Und tatsächlich erleben sie dort jede Menge aufregende Abenteuer. So machen sie während eines Auflugs im Littelwald eine besondere Entdeckung: Im Bachlauf finden sie ein wahrhaftiges Wunder der Natur. Auch der dritte Band der Flohling-Reihe erzählt auf besondere Art und Weise von der Liebe zur Natur.

 

Für alle "kleinen Flöhe" ab 5 Jahre.

 

Sandra Grimm: Der kleine Flohling - Wunder im Littelwald, DTV 15 €

 

 

Salah Naoura: Matti und Sami und das größte Stück vom Glück

 

Kaum haben sich Matti und sein kleiner Bruder Sami in Finnland eingelebt, da fegt sie das stürmische Leben auch schon wieder zurück nach Deutschland. Mit Sack und Pack schlüpft die Familie bei Lieblingsonkel Kurt unter - Matti ist im siebten Himmel. Sami hingegen ist mit alledem kein bisschen einverstanden. Er vermisst seine Freunde und überhaupt fühlt er sich durch und durch als Finne! Klarer Fall für eine typische Matti-Mission: Ein Stückchen Finnland muss mit in die deutsche Kleinstadt umziehen.

 

Band 3 für alle Matti und Sami-Fans, ab 9 Jahre.

 

Salah Naoura: Matti und Sami und das größte Stück vom Glück, Beltz & Gelberg, 13 €

 

 

Anna Hoghton: Aribella und die Feuermaske

 

Als Aribella ihren besten Freund gegen einen frechen Fischerjungen verteidigen will, schießen Flammen aus ihren Fingern! Sie muss fliehen, ausgerechnet in der Nacht vor ihrem 13. Geburstag. Die Stadtwache ist hinter ihr her, aber auch ein Mann mit einer Maske, die leuchtet wie die Sterne am Himmel. Er nimmt Aribella in seiner Gondel mit nach Venedig und führt sie in die Welt der Cannovacci ein - eine geheime Vereinigung von Magiern, die mit ihren Kräften die Stadt beschützen. Im Halb hier halb dort-Hotel findet sie Unterschlupf, einen zahmen Löwen und neue Freunde. Doch die Sicherheit trügt: Ein Blutmond erweckt dunkle Mächte und Aribella lernt schnell, dass nicht hinter jeder glitzernden Maske ein freundlicher Zauberer steckt.

 

Eine spannend und fantasievoll erzählte Geschichte für Kinder ab zehn Jahren. 

 

Anna Hoghton: Aribella und die Feuermaske, DTV, 15 €

 

 

Chantal Schreiber: Mein Feuerpferd - Ritt im Nordlicht

 

Band 1 der Feuerpferd-Trilogie


Sechs Wochen Island! Für die zehnjährige Eva gibt es kaum etwas Schlimmeres. Einöde, Langeweile und dann auch noch Papas neue Frau, die Eva schon aus Prinzip nicht leiden kann. Allein die Herde Islandpferde des Nachbarn macht diesen Urlaub erträglich. Ganz besonders der braune Eldur, zu dem sie schnell eine enge Beziehung aufbaut. Als sie ihn schließlich reiten darf, geht ein Traum in Erfüllung - die beiden sind das perfekte Team! Doch nicht nur Eva hat erkannt, dass Eldur etwas ganz Besonderes ist, und schon bald muss sie alles daran setzen, ihr Traumpferd nicht zu verlieren.

Für alle Pferdebegeisterten,  ab 10 Jahre. Band 2: Sturmfohlen, erscheint am 16. Mai 2022

 

Chantal Schreiber: Mein Feuerpferd - Ritt im Nordlicht, cbj, 8 €

 

 

 

Chris Vick: Allein auf dem Meer

 

Bill ist der Einzige, der den Untergang der Jacht vor der Küste Marokkos überlebt. Allein in einem kleinen Boot, rettet er Aya, ein Berbermädchen, die in denselben Sturm geraten ist. Viele Wochen treiben die beiden verloren auf dem Meer, der unerbittlichen Sonne ausgeliefert. Nur die Nächte, in denen Aya - wie Scheherazade - Geschichten aus 1001 Nacht erzählt, können ihnen noch Hoffnung geben. Irgendwann stranden sie auf einer kleinen Insel, wo eine ganz andere Gefahr lauert.

 

Ein gnadenlos spannender Roman, der tief eintaucht in die Schönheit und den Schrecken des Meeres.

 

Chris Vick: Allein auf dem Meer, Beltz & Gelberg, 15 €, ab 12 Jahre

 

 

Nicola Yoon: Als wir tanzen lernten

 

Evie glaubt nicht mehr an die Liebe. Erst recht nicht, als etwas Unfassbares geschieht - sie kann plötzlich die Zukunft von Liebespaaren voraussehen: Alle Liebesgeschichten enden tragisch. Evie versucht noch, mit ihrer seltsamen Gabe zurechtzukommen, als sie bei einem Tanzkurs auf X trifft, der alles verkörpert, was Evie ablehnt: Abenteuerlust, Risikobereitschaft, Leidenschaft. X lebt nach dem Motto, zu allem Ja zu sagen - auch zu dem Tanzwettbewerb, den er und Evie gemeinsam antreten. Evie will sich auf keinen Fall in X verlieben. Doch je länger sie mit X tanzt, desto öfter stellt sie infrage, was sie über das Leben und die Liebe zu wissen glaubt. Ist die Liebe das Risiko vielleicht doch wert?
 

»Nicht nur voller toller Knistermomente und rührendem Herzschmerz, sondern auch wirklich vor allem zu Beginn mit sehr viel Humor.« WDR 1LIVE 

 

Nicola Yoon: Als wir tanzen lernten, cbj, 20 €, ab 14 Jahre

 

 

 

Kevin Brooks: Bad Castro


Eine Nacht voller Unruhen. Ein jugendlicher Gang-Leader, den alle »Bad Castro« nennen, auf der Flucht. Und Judy, eine junge Polizistin, die nicht mehr weiß, wo Recht und Unrecht ist.

Als das Polizeiauto überfallen wird, gelingt es Judy und Castro, sich unerkannt aus dem Wagen zu retten. Gemeinsam fliehen sie vor dem entfesselten Mob, der für sie gleichermaßen gefährlich ist. Denn längst ist nicht mehr klar, wo die Grenzen zwischen Freund und Feind sind - und dass sie in Wahrheit mehr verbindet, als ihnen klar ist.

Der neue Brooks - relevant, spannend, brandaktuell

 

Kevin Brooks: Bad Castro, DTV, 13,95 €, ab 14 Jahre

 

 

 

 

Mathieu Ricard „Glück“, das vielleicht wichtigste Buch in unserem LeseZeichen

 

Ricard, Franzose, Sohn eines Philosophen und einer Malerin, Neffe des ersten Einarmumseglers der Welt, aufgewachsen im Dunstkreis von Intellektualität, Künstler- und Abenteurertum, studierter und promovierte Biologe, Mitarbeiter des institut pasteur. Das sind nur die Kerndaten einer vergleichsweise kurzen Phase seiner Biografie. Sein Leben begann nach eigener Aussage erst danach: mit der Entdeckung des tibetischen Buddhismus. Zu dessen Kernaussage bahnt er uns in „Glück“ in klaren, einfachen Worten einen Weg: An welchem Ort der Welt Sie auch immer ihr Glück suchen: Sie suchen vergebens. Das Glück, es liegt ganz nah – in uns – und nur da.

 

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