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Für unsere jungen Leser*innen

 

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Lucy Astner: Polly Schlottermotz - Hier ist doch was faul

Polly Schlottermotz auf Reisen, ein neues potzblitzturbulentes Abenteuer mit singendem Faultier - Band 5 der beliebten Reihe.

Potzblitz! Als Polly einen verzauberten Reisepass zum Geburtstag bekommt, reist sie kurzerhand zu Tante Winnie ins Amazonasdelta. Dort stellt sie überrascht fest, dass ihr vierter Eckzahn doch eine Zauberkraft besitzt. Und diese entpuppt sich als äußerst praktisch, als sie auf die singende Faultierdame Shakira trifft. Shakira wurde nämlich aus ihrem Dorf gejagt, weil sie angeblich den geheimnisvollen großen Heuler vertrieben hat. Doch Polly merkt schnell, dass hier etwas faul ist. Gemeinsam mit ihren Freunden geht sie der Sache auf die Spur und stolpert schnell in ein neues, potzblitzwildes Abenteuer!  

 

Lucy Astner: Polly Schlottermotz - Hier ist doch was faul, Altersempfehlung: 8 - 99 Jahre

Planet! Thienemann-Esslinger Verlag, 9,99 €

 

https://click.verlag.thienemann-esslinger.de/?qs=ea6867a136c14bec3ec1b5198d39b1dbcde7e98ac0c23bfbc5bd5dc0d17b138ef5edee813af5951e8a3851d13b99ad96e0c2d0b70ae840d7

 

 

Katja Ammon: Darker Things

 

Hast Du Dich auch schon mal gefragt, ob unsere Welt die einzig existierende ist?
Als die 17-jährige Lejla plötzlich von düsteren Visionen einer zerfallenen Welt heimgesucht wird, ist ihr normales Teenagerleben auf einen Schlag vorbei. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und erfährt von der Dunkelwelt, einer Parallelwelt, die zu einer Gefahr für die Menschheit geworden ist. Irgendwie scheint sie mit dieser Welt verbunden zu sein, doch bevor sie herausfinden kann, was mit ihr geschieht, ist sie schon zur Gejagten einer mysteriösen Gesellschaft geworden, die die Menschen vor dem Bösen beschützen will. Und ausgerechnet der Junge, den sie in ihr Herz lässt, soll sie nun töten. Doch auf der Suche nach der Wahrheit kommen sich die beiden näher und ein gefährliches Versteckspiel beginnt, denn weder in der einen noch in der anderen Welt sind sie sicher.

 

Katja Ammon: Darker Things, Altersempfehlung 13-99 Jahre

Planet! Thienemann-Esslinger Verlag, 17 €

 

https://www.youtube.com/watch?v=3erLJXnx_6Q&feature=emb_title

 

 

Tobias Goldfarb: Niemandsstadt

 

Magie trifft Technik in diesem phantastischen Roman. 

In der Niemandsstadt gibt es alles, was man sich in der Wirklichkeit erträumt. Drachen ziehen durch die Wolken, Statuen zwinkern einem freundlich zu. Gleich drei Sonnen wärmen Gesicht und Rücken. Räume entstehen immer dann, wenn man sie braucht. Hier fühlt sich Josefine wohl. Doch diese Stadt, ihre Geschöpfe und ihr Zauber sind in Gefahr. Bedroht von spionierenden Crowbots, von Magie raubenden Maschinen, von einer weiten, weißen Leere. Ausgerechnet Josefine soll eingreifen - aber wie bekämpft man einen Gegner, der nicht existiert?

 

Tobias Goldfarb: Niemandsstadt, Altersempfehlung ab 13 Jahre

Thienemann-Esslinger Verlag, 15 €

 

https://www.youtube.com/watch?v=HR9FLANHZS4&feature=emb_title

 

 

 

Onjali Q. Raúf: Der Junge aus der letzten Reihe

"In der letzten Reihe unseres Klassenzimmers gab es immer einen leeren Platz. Doch jetzt sitzt dort ein Junge namens Ahmet". Ahmet kommt aus Syrien nach England - ohne Eltern! Ich-Erzählerin Alex und ihre Freunde Michael, Tom und Josie beschließen sich um Ahmet zu kümmern. Sie schmieden einen Plan, um Ahmets Eltern zu finden. Dazu müssen sie unbedingt die Queen sprechen. Aber wie kommt man nur in den Buckingham-Palast?

Die Autorin Onjali Q. Raúf ist Autorin und Journalistin und Gründerin der Menschenrechtsorganisation "Making Herstory", die sich gegen Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt einsetzt. Außerdem engagiert sie sich als ehrenamtliche Helferin für Flüchtlinge, wobei ihr die Idee zu "der Junge aus der letzen Reihe" kam.

Ein beeindruckendes Buch für Leser*innen ab 8 Jahren

Onjali Q. Raúf: Der Junge aus der letzen Reihe, Atrium Verlag, 15 €

auch als  Hörbuch  erhältlich, Hörcompany, 16,95 €

 

 

Astrid Lindgren : Ferien auf Saltkrokan - Ein Kaninchen für Pelle

 

Soeben ist die Geschichte von Pelle, der auch ein Haustier haben möchte, wie sein Freund Tjorven, als Bilderbuch erschienen. Das Abenteuer beginnt, als die beiden Kinder mit dem Milchgeld zur Nachbarinsel rudern, um dort für Pelle ein Kaninchen zu kaufen. Unbekümmert und abenteuerlustig - ein Vorlesespaß für kleine und große Leute ..... und für letztere auch ein Stück Kindheitserinnerung an einen Klassiker von der wunderbaren Astrid Lindgren.

 

Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan, Oetinger Verlag, 15 €

 

 

 

Ramona Badescu: Was macht die Fledermaus bei Tag?

 

Was macht die Fledermaus bei Tag?

Die Fledermaus ist gerade in den Wald gezogen und traut sich mit Hilfe des Eichhörnchens die neue Umgebung bei Tageslicht zu erkunden. Beeindruckt von all den Farben beginnt die Fledermaus zu malen und öffnet dabei den anderen Tieren die Augen für einen neuen Blick auf die Welt.

 

Eine Geschichte über Offenheit und Freiheit, liebevoll illustriert von Amélie Jackowski. 

 

Ramona Badescu: Was macht die Fledermaus bei Tag? Beltz Verlag, ab 6 Jahren, 14,95 €

 

 

 

Sybille Hein: Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken

 

Gemeinsam singen und Spaß haben - warum nicht? Dieses Buch kann uns dabei helfen und liefert die Ideen dazu. Denn hier steckt Zauberpulver drin. 170 laute, leise und lustige Lieder, liebevoll illustriert, mit einfachen Notensätzen und Gitarrengriffen und zahlreichen Sprach- und Bewegungsspielen plus beiliegender CD. Eine kleine Hörprobe vorab gibt es unter www.halli-hallo-halunken.de.

 

Sybille Hein: Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken, Beltz Verlag, für Kinder

von 6 - 12 Jahren 22,95 €

 

 

 

 

 

 

 

Niklas Ekstedt und Henrik Ennart: Happy Food und Noch mehr Happy Food

 

Zweimal Happy Food - Essen Sie sich glücklich!

 

Die beiden Autoren, Sternekoch Niklas Ekstedt und der Wissenschaftsjournalist Henrik Ennart, zeigen in diesen Büchern die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Darm und Gehirn auf und entwickeln darauf aufbauend abwechslungsreiche Gerichte, die leicht umzusetzen sind. Zwei aufwendig gestaltete Ernährungsberater mit kulinarischen Inspirationen.

 

Nikals Ekstedt und Henrik Ennart:

 

Happy Food - Warum Mangold vor Depressionen schützt und Walnüsse schlau machen.

Wie Sie Ihre Psyche durch Ernährung heilen können.

 

Noch mehr Happy Food - Glückliche Menschen essen bunt. Mit 50 neuen Rezepten

 

Südwest Verlag, je 22 €

 

 

 

Georg Lolos: Du bist nicht, was du denkst

 

Georg Lolos, Bewusstseins- und Achtsamkeitslehrer stellt einen interessanten Ansatz vor, wie man emotionale Probleme “im Handumdrehen” überwinden kann und das mit folgender Grundidee: “unsere unwillkommenen Emotionen entsprechen jeweils einem Raum in unserem Ego-Haus.” Es gibt z.B. den “Minderwert-Raum oder den “Raum der Ohnmacht.” Im “Kontroll-Raum” begegnen wir uns selbst und anderen voller Misstrauen und  Perfektionismus. Er geht unser Ego-Zuhause Stockwerk für Stockwerk durch und zeigt welche negativen Gefühle oder falschen Glaubenssätze uns lähmen.

Aber er zeigt gleichzeitig, wie wir mit leicht erlernbaren Achtsamkeitsritualen zu Vergebung, Selbstliebe und dem inneren Kind, den Weg heraus aus dem Ego-Gefängnis finden. So können wir das Leben endlich willkommen heißen, liebevoll, gelassen und voller Vertrauen.

 

Georg Lolos: Du bist nicht, was du denkst, Arkana, 16 €

 

 

Benjamin Myers: Offene See

England im Jahr 1946. Der sechzehnjährige Robert empfindet eine tiefe Sehnsucht zum Meer. Er begibt sich auf eine Wanderung, bevor er seiner Bestimmung, wie schon sein Vater unter Tage zu arbeiten, folgen soll. Einmal möchte er das Meer sehen und erleben.

Als er bereits einige Tage unterwegs ist und die Küste schon sichtbar ist, trifft er auf Dulcie, die dort mit Ihrem Hund in einem heruntergekommenen Cottage lebt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus einem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. 

 Als Dank für Ihre Großzügigkeit bietet Robert seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet Dulcie ihm dieses. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Offene See ist eine wunderbare in ruhigen und poetischen Tönen erzählte Geschichte rund um die Frage, wer man ist und wer man sein will. Ein Roman voller Naturbeschreibungen, tiefgründiger Charakterisierungen und einer Geschichte, die sehr berührt. 

 

Benjamin Myers. Offene See, Dumont, 20 €

 

 

Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht

Gerade mal Lust auf eine weite Reise? Dann bitteschön: steigen Sie doch einfach ein in Mikael Niemis „Wie man einen Bären kocht“ und lassen sich entführen in ein nordschwedisches Dorf im Jahr 1852. Einmal dort angekommen, werden Sie unmittelbar hineingesogen in eine opulente Geschichte um ein totes Mädchen und einen toten Bären, um den charismatischen Prediger Laestadius und seinen Zögling, den samischen Jungen Jussi, entfernte Verwandte von Sherlock Holmes und Dr. Watson.


Mikael Niemi, von dessen „Populärmusik aus Vittula“ wir schon absolut hingerissen waren, hat's wirklich drauf: schreibend zaubert er Farben und Formen, Töne und Gerüche, Bilder und Szenen, Stimmungen und Spannung – eine eigene Welt.

Wir wünschen eine gute, erlebnisreiche, entspannte Reise.

 

Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht, btb Verlag, 20 €

 

 

Luca Ventura: Mitten im August

 

Auftakt einer neuen Krimireihe, die auf Capri spielt.
Bisher hat es der Inselpolizist Enrico Rizzi nur mit kleinen Delikten zu tun und somit noch genügend Freizeit, um seinem Vater beim Obst und Gemüseanbau zu helfen. Dann aber wird im August ein Boot mit einem leblosen Körper darauf  an den Strand getrieben. Bei dem Toten handelt es sich um einen Studenten der Ozeanologie, Sohn einer reichen Industriellenfamilie aus Turin. Jetzt ist Rizzi gefordert: sein erster Mordfall, der scheinbar auch einen umweltpolitischen Hintergrund hat. Gleichzeitig muss er sich auch noch mit seiner neuen Kollegin arrangieren, die auf die Insel strafversetzt wurde.

Fazit: Sympathische Hauptakteure, Spannung vor umwerfender Kulisse und auch für schwach besaitete Krimileser als Lesefutter bestens geeignet.

 

Luca Ventura: Mitten im August, Diogenes, 16 €

 

 

Laura Freudenthaler: Die Königin schweigt

Fanny, die »Königin«, ist eine vom Schicksal immer wieder hart getroffene Frau, die ihren Lebensabend alleine verbringt und über alles Vergangene schweigt.

Auch das Tagebuch auf ihrem Nachtkästchen, ein Geschenk ihrer Enkelin, lässt Fanny unberührt liegen, statt es Seite für Seite mit den Tragödien des Erlebten zu füllen. Doch in Tagträumen und schlaflosen Nächten kann sie sich der Erinnerungen nicht erwehren, und so zieht ihr ganzes Leben in aufwühlenden Bildern an ihr vorbei: Wir begleiten Fanny durch alle Lebensphasen, beginnend mit der Kindheit auf dem elterlichen Hof in den 1930er-Jahren bis nahe an ihren Tod.
Ein sprachlich fein erzähltes und wunderbares Porträt einer Frau, das zutiefst berührt.
Ein kleiner Roman, aber ein großer, intensiver Lesegenuss!
 

Laura Freudenthaler: Die Königin schweigt, btb Verlag, 10 €

 

 

Dora Heldt: Mathilda oder Irgendwer stirbt immer

 

Mathilda liebt ihre Familie und das Dorf, in dem sie lebt. Und so möchte sie am liebsten auch, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber das dies nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand, und so wird der Sommer in Dettebüll sehr turbulent und der Dorffrieden gründlich aus den Angeln gehoben.
Eine liebevoll-schräge Komödie über ein nordfriesisches Dorfidyll, in dem von einem Tag auf den anderen nichts mehr so ist, wie es war.

 

Dora Heldt: Mathilda oder Irgenwer stirbt immer, DTV, 16,90 €

 

 

 

Charlie Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd

Bücher, die über schwere Zeiten hinweghelfen können, gibt es wie Sand am Meer.

Umso wichtiger sind sie in diesen Zeiten von "Social distancing". Dann werden Bücher zu wertvollen Wegbegleitern. Dieses Buch ist ein solcher Wegbegleiter und trifft dabei mitten ins Herz.

 

Ein einsamer Junge und ein Maulwurf begegnen sich, ein Fuchs und ein Pferd schließen sich ihnen an. Sie alle fühlen sich von der Welt im Stich gelassen, doch in ihren Gesprächen über ihre Angst und Einsamkeit geben sie sich gegenseitig Kraft und Unterstützung. Ein Buch voller Hoffnung in unsicheren Zeiten und über die heilende Kraft der Freundschaft.

 

Charlie Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd, List Hardcover, 20 €

 

 

 

Marlen Haushofer: Die Wand

Wer für die zuweilen dystopische Stimmung im Außen ein literarisches Pendant sucht, dem sei unbedingt Marlen Haushofers „Die Wand“ empfohlen, diese ganz einfach erzählte Geschichte einer Frau, die eines Morgens nach einem Ausflug in den Bergen aufwacht und eingeschlossen ist, ringsum eine unsichtbare, unüberwindbare Wand, dahinter Totenstarre. Was ihr bleibt: ein eng begrenzter Lebensraum in wilder Natur, ein Hund, eine Katze, eine Kuh, eine Hütte. Hier richtet sich unsere Heldin, eine Städterin, ein - mit beispielgebendem Pragmatismus.

Die Österreicherin Marlen Haushofer (1920-1970) hat ihr doch umfangreiches erzählerisches Werk „nebenbei“ verfasst, neben ihren Aufgaben als Zahnarztgattin, Hausfrau und Mutter. Entdeckt wurde sie erst posthum, in den 1980er Jahren.

Wofür steht – als Metapher - die Wand? Diese Frage hat damals in Frauenkreisen Diskussionsabende gefüllt – ergebnislos.

Marlen Haushofer: Die Wand, List 10 €

 

 

Verena Güntner: Power

Dieses Dorf, umgeben von Wald und Wiesen, ist von Gott und der Welt verlassen, die Zurückgeblieben sind in der Überzahl alt und gefangen in ihrem Kosmos voller Stumpfsinn, Habgier, Misstrauen, Neid. Doch zum Glück gibt es da auch noch ein paar Kinder und an ihrer Spitze die charismatische Kerze, die für ihr Dorf kämpft und die sich mit ihrer Gefolgschaft eines Tages aufmacht, um Power zu finden. Der Hund der alten Hitschke ist spurlos verschwunden, sie suchen ihn im Wald, entfernen sich immer weiter von ihren Eltern und dringen tiefer und tiefer ein in die Natur. Währenddessen schlägt im Dorf die Sorge um die Kinder in Panik um, die dünne Schicht aus Zivilisation an der Oberfläche des Zusammenlebens bricht auf...

Phantastisch, exzentrisch, verstörend, sprachgewandt – und nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse: viele Qualitäten des Romans, die uns veranlassen, Ihnen Verena Güntners „Power“ ans Herz zu legen. Sie werden allerdings aushalten müssen, dass das Buch mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt. Was Ihnen im Gegenzug erspart bleibt (Achtung, Spoiler!): die Geschichte endet nicht in einer Katastrophe.

Verena Güntner: Power, Dumont Verlag 22 €

 

 

Peter Zantingh: Nach Mattias

"Eine Woche nach Mattias wurde sein Fahrrad  geliefert“. So beginnt der Roman des niederländischen  Autors Peter Zantingh. Er erzählt hier was geschieht, wenn ein Mensch plötzlich und unvorhergesehen aus dem Leben gerissen wird und eine Lücke in seinem Umfeld zurücklässt. Zantingh spannt beim Erzählen einen weiten Bogen.  Zum einen gibt es das direkte Umfeld von Mattias, die unmittelbar Betroffenen, wie Freundin, Eltern und Großeltern, den besten Freund, das zu Wort kommt, aber auch Personen, dessen Leben er nur gestreift zu haben scheint bekommen hier eine Stimme. Sie alle verarbeiten den Verlust auf Ihre eigene Art und Weise und suchen ihren Weg zurück ins normale Leben. Nichts geschieht hier zufällig, alle Charaktere sind wie durch ein fein gesponnenes Netz miteinander verbunden, alles fügt sich im Verlauf dieses Buches, wie bei einem Puzzle, Stück für Stück, manchmal auf völlig unerwartete, aber sehr gekonnt erzählte Art und Weise, zusammen. Nach und nach wird klar; Mattias war ein vielschichtiger Mensch; er managte Newcomerbands, gab Nachhilfe und plante seinen Job zu kündigen, um mit seinem besten Freund ein Café zu eröffnen. Er war ein fröhlicher Mensch der Musik liebte und Menschen von seinen Ideen begeistern konnte. „Nach  Mattias“ ist keine Trauergeschichte im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein unglaublich mutig und lebendig erzähltes Buch. Am Ende, konnte ich nur schwer dem Impuls widerstehen es sofort wieder von vorne zu beginnen; jetzt mit einer klaren Vorstellung des Menschen, der Mattias für seine Familie und Freunde gewesen ist. Was bleibt ist das Gefühl ein wunderbares und sehr berührendes Buch gelesen zu haben sowie eine Playlist von Songs am Ende des Buches. Sie alle spielen im Verlauf der Geschichte eine große Rolle und geben dem Leser die Möglichkeit den Roman nachwirken lassen zu können.

Peter Zantingh: Nach Mattias, Diogenes 22 €

 

 

 

Sigrid Nunez: Der Freund

 

Kennen Sie diese Symptome? Einen Trennungsschmerz, der in manchen, in seltenen Fällen mit der Lektüre der letzten Seiten eines Buches auftaucht? Und dann bleibt für einige Zeit...
Ich fühle mich immer noch wie verstoßen aus dem Kosmos unserer Ich-Erzählerin, einer Schriftstellerin, Mieterin eines 45-Quadratmeter-Appartements mitten in Manhattan. Sie erbt nach dem Suizid ihres besten Freundes dessen riesigen schwarz-weißen Doggenrüden namens Apollo. Sie nimmt das Erbe an.
Und dann dürfen wir sie begleiten auf Spaziergängen durch New York, über den Strand von Long Island und durch ihre Gedankenräume voller inspirierender Reflexionen über den Tod und die Trauer, das Leben und das Schreiben und über die Liebe - die zu Menschen und die zu Tieren. Es sind Wege voller Leichtigkeit. Und es bleibt am Ende ein Spiel mit den Möglichkeiten von Literatur: war das alles so oder doch ganz anders?

Sigrid Nunez: Der Freund, Aufbau Verlag, 20 €

 

 

 

Elif Shafak: Unerhörte Stimmen

Tequila Leila, die Hauptfigur in Elif Shafaks neuem Roman, ist tot.
Sie wurde ermordet. Bereits bevor das Buch beginnt ist ihr Leben vorbei. Zehn Minuten und 38 Sekunden, so fanden Forscher der Universität von Ontario heraus, sendet das Gehirn eines Menschen noch sogenannte Delta-Wellen aus. Obwohl Leilas Körper schon klinisch tot ist, erinnert sie sich an Vergangenes. Jeder Minute dieser Zeit widmet Elif Shafak ein eigenes Kapitel, in dem sie ihrer Heldin Zeit lässt, sich an die wichtigsten Stationen und Menschen in ihrem Lebens zu erinnern.
Wie sie als Kind streng religiöser Eltern aus Ostanatolien, zu einer jungen Frau wird, die aus der familiären Enge heraus nach Istanbul flieht und dort in einem Bordell landet. 

Leilas Geschichte ist geprägt von Unterdrückung, und Gewalt, aber sie ist dennoch kein Opfer Ihrer Geschichte, sondern eine liebenswerte und starke Frau, die immer weiter kämpft und sich nie aufgibt.

Fünf ganz besondere Menschen, die wie sie als Außenseiter am Rande der Gesellschaft leben und mit denen sie eine tiefe und intensive Freundschaft verbindet, helfen ihr dabei sehr und stehen ihr auf liebevolle Weise zur Seite, bis über ihren Tod hinaus.
Das alles beschreibt Elif Shafak mit sehr poetischen Formulierungen und ihr gelingt es so, ein ganz besonderes Spannungsfeld zwischen sprachlicher Schönheit und der brutalen Realität eines Lebens in der Millionenmetropole Istanbul der 90er Jahre, zu erzeugen.

Der Geschichte, die hier erzählt wird, mangelt es nicht an Aktualität, sie beschreibt ein zerrissenes Land und sie erzählt von all denen, die zu oft unerhört bleiben.

Elif Shafak: Unerhörte Stimmen, Kein & Aber, 24 €

 

 

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Schon wie in ihrem 2011 erschienenen Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“, der von einer unmöglichen Liebe zwischen einer fast

17-ährigen und einem über 20 Jahre älteren Bauern handelt, macht sich Daniela Krien auch in diesem Buch auf zu ergründen, was zur Liebe und deren Scheitern führen kann.

Um fünf Frauen geht es in diesem Roman. Sie alle leben in Leipzig und sind selbstbewusste, eigenwillige Frauen, die alle ihre Schicksale zu meistern haben. Paula ist Buchhändlerin, Judith Ärztin, Brida Schriftstellerin, Malika Musiklehrerin und Jorinde Schauspielerin. Auf den ersten Blick führen alle ein gutes bürgerliches Leben, doch scheint keine von Ihnen ihren festen Platz oder ein beständiges Lebens- und Familienglück gefunden zu haben.

Daniela Krien widmet  jeder dieser Frauen ein eigenes Kapitel, Handlungsstränge überschneiden sich, zeitweise werden die Lebenswege der fünf Frauen auf kunstvolle Weise miteinander verbunden. Sie gehen Beziehungen ein, heiraten, bekommen Kinder, haben Affären,  trennen sich, leben in Patchworkfamilien, kämpfen um das Sorgerecht für Ihre Kinder.

Das alles, kennt man aus vielen anderen Romanen. Jedoch versteht Daniele Krien es in diesem Fall sehr lebensnah und klug, in ihrem ganz eigenen Ton aus nächster Nähe zu beschreiben. Stück für Stück legt sie die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonistinnen frei und macht sie uns in ihrer so herrlich präzisen und äußerst schnörkellosen Sprache zugänglich.

Und auch, wenn es all diesen Geschichten an „Ernstfällen“ so gar nicht mangelt, ist es überhaupt kein deprimierendes Buch, sondern ein sprachliches Vergnügen, ein intensiver und nachhaltiger Lesegenuss.

Daniele Krien: Die Liebe im Ernstfall, Diogenes, 22 €

 

 

Mechthild Borrmann: Grenzgänger

Das Eifeldorf heißt „Velda“, nicht Mützenich. Hier wächst Henni als ältestes von vier Kindern heran, ein starkes, wildes Mädchen, das am liebsten im Hohen Venn spielt. Der Vater ist Uhrmacher, seit seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg zittern ihm so stark die Hände, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Mutter schuftet sich für die Familie zu Tode. Mit 17 Jahren übernimmt Henni die Verantwortung für ihre Geschwister und den schwachen Vater und tut nur, was sie gut kann und was so viele damals tun: sie schmuggelt Kaffee. Aber sie wird schwer bestraft: es kommt zu einer Katastrophe, die andere nach sich zieht. Jahre später steht Henni in Aachen vor Gericht, angeklagt des zweifachen Mordes.

Mechthild Borrmann, vielfach prämiierte Schriftstellerin, unter anderem Trägerin des renommierten Deutschen Krimipreises, nimmt auch in „Grenzgänger“ die Krimihandlung zum Vorwand, um eine andere relevantere Geschichte zu erzählen: die von der Ausgeliefertheit des Einzelnen an die Läufe der Zeit, in die er hineingeboren wurde, die von Hoffnungen und ihrer Zerstörung, von kleinem Glück und grausamem Schicksal, von Unrecht, das zu Recht wird.

Was wir hier erfahren, betrifft uns sehr: es ist uns zeitlich gar nicht fern und örtlich so nah.

Mechthild Borrmann: Grenzgänger, Droemer/Knaur, 10,99 €

 

 

 

 

 

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen

In diesem Erzählband hält Benedict Wells zehn Kurzgeschichten für uns bereit, und wir lernen ihn von einer völlig anderen schriftstellerischen Seite kennen. Seit dem Erscheinen seines vorherigen Buches "Vom Ende der Einsamkeit" zählt er zu den ganz großen Erzählern.

Das beweist er auch hier, Die Wahrheit über das Lügen ist sprachlich ein Genuss, äußerst vielfältig und experimentell erzählt, ohne jemals abgedreht oder gar zu gewollt zu erscheinen. Da geht es um einen Geschäftsmann, der kurz vor dem Abschluss eines ganz großen Deals beschließt, den Hausberg zu besteigen. Als er zurückkehrt, ist es so, als hätte er sein Leben gar nie gelebt.

Wir kehren auch zurück in die Welt "Vom Ende der Einsamkeit", denn in diesem Erzählband erscheinen Kapitel, die ursprünglich für den Roman gedacht waren. Die Wahrheit über das Lügen ist aber auch eine tiefe Verneigung vor Wells´ Idol - John Irving.

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen, Diogenes, 13 €

 

 

 

 

 

 

Angelika Waldis: Ich komme mit

"Ich komme mit" ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, zwischen zwei ungleichen Menschen, die sich beide auf eine letzte Reise begeben.

Der junge Lazy und die alte Vita wohnen beide im selben Haus und werden eher unfreiwillig zu Freunden. Zuerst bilden sie lediglich eine Art Schicksalsgemeinschaft, denn der schwerkranke Lazy hat niemanden, der sich um ihn kümmert. Nach und nach erkennen die alte Dame und er, dass sie den gleichen Humor und einen sehr unkonventionellen Blick auf das Leben haben. Sie beginnen ein Spiel, in dem sie sich erzählen, was das Leben gerade für sie ist. "Leben ist das Kräuseln des Spiegeleis am Rand", "Leben ist die Wärme im Hundeohr" oder "Leben ist ein Geschenk, man kann es nur einmal auspacken".

Die Schweizer Autorin, Angelika Waldis beeindruckt mit ihrer klugen und einfühlsamen Sprache, voller Wortwitz und Spielereien. Es ist ein Stil, der uns als Leser sogleich in den Bann zieht. Obwohl sie das Tabuthema Tod aufgreift, ist "Ich komme mit" ein heiteres und lebensbejahendes Buch. 

Leben ist, ein Buch wie dieses zu lesen!

Angelika Waldis: Ich komme mit, Goldmann, 10 €

 

 

 

 

 

 

Michael Ondaatje: Kriegslicht

Der erste Satz dieses Buches hallt nach, wie ein Paukenschlag: "Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren."

Wer mag dieses Buch nun noch aus der Hand legen? Weiterlesen lohnt sich in jedem Fall, denn Ondaatje erzählt hier eine packende Geschichte,sehr behutsam und beschreibt das ganz besondere Erwachsenwerden der beiden Geschwister meisterlich.

Dabei spielt er in diesem Buch mit Wissenslücken und Verunsicherungen, und auch die Wahrheit bleibt zuweilen fast hartnäckig im Verborgenen. Ondaatje lässt das, was er erzählt, gekonnt zwischen Familiengeschichte, Großstadtroman und Agentenroman changieren. Einfach großartig!

Michael Ondaatje: Kriegslicht, DTV 11,90 €

 

 

 

 

 

 

 

 

Paolo Cognetti: Acht Berge

Jetzt endlich im Taschenbuch!

Paolo Cognettis autobiographisch inspirierter Roman "Acht Berge" hat seinen Schauplatz in den italienischen Alpen, im Monte Rossa Massiv und erzählt von einer intensiven Freundschaft. Pietro, der Erzähler, Sohn von Intellektuellen aus Mailand, verbringt die Ferien seiner Kindheit in den Bergen und lernt dort Bruno, den Sohn eines einfachen Bergbauern, kennen.

Sie erkunden gemeinsam die Natur, streifen durch die Täler und besteigen so manchen Gipfel. Es ist der Beginn einer lebenslangen Verbindung, voller Gegensätze, die auch dann noch Bestand hat, als die beiden erwachsen werden und vollkommen unterschiedliche Lebenswege gehen. Pietro zieht es, als Dokumentarfilmer, in die Welt hinaus. Er wird die Sehnsucht nach den Bergen sein Leben lang nicht verlieren. Sie sind für ihn ein Rückzugsort, ein Ort der Selbstfindung und Meditation und so kehrt er immer wieder dorthin zurück. Bruno, führt ein einfaches und zurückgezogenes Leben. Er wird sein Bergdorf nie verlassen, gründet eine kleine Familie und versucht die Käserei seines Vaters wieder aufzubauen.
In einer leisen, sehr berührenden und eindringlichen Sprache beschreibt Cognetti diese beiden Lebenswege und die faszinierende Welt der Berge, als Ort von dem viel Schönheit, aber auch grausame Naturgewalt ausgehen kann.
Ein Roman mit viel Tiefe, der uns nachdenken lässt über die Sehnsucht nach Heimat und Wahrhaftigkeit.
Welches Leben ist das Richtige? Muss man jede Gelegenheit nutzen und die Welt erkunden? Oder sollte man sich auf seine Wurzeln besinnen und damit zufrieden sein was man hat? Wer wird am Ende seines Lebens der Glücklichere sein? Pietro, der Weitgereiste, oder Bruno der Genügsamere von beiden?

Ein wunderschönes Buch zum Abtauchen und Innehalten.

Paolo Cognetti: Acht Berge, Penguin, 10 €

 

 

Anne Reinecke: Leinsee

 

Was für ein bunter und lebendiger Roman. Anne Reinecke führt uns in die Künstlerwelt am Leinsee. Fast malt sie Bilder mit ihren Worten.

Dieser Roman ist so bunt und vielschichtig, fast wie ein kunstvolles Gemälde. 

Harte Fakten und Ereignisse erschlagen uns hier nicht, so behutsam schleichen sie heran. Reineckes besonderer Ton macht es aus. Jedes Kapitel besitzt seine eigene Farbe, einen eigenen Anstrich und dadurch seine besondere Lebendigkeit.

Leinsee ist ein Buch der Überraschungen, der Wendungen, die wir vielleicht ahnen, aber nicht auszusprechen wagen. So viel sei verraten; es geht auch um die Liebe, und dass die Liebe eben Zeit braucht. Und über das Glück, seinem Leben eine Wendung zu geben, darüber, dass es ein "zweites" Erwachsenwerden geben kann.

Alles in Allem, ein äußerst vielversprechendes Debüt, frisch und frei erzählt.

Anne Reinecke: "Leinsee", Diogenes Verlag, 13 €

 

 

 

 

 

 

Fernando Aramburo: Patria

Patria heißt Vaterland, Heimat. Was bedeutet Heimat? Darum geht es in diesem Buch.

Erzählt wird aus der Sicht zweier Frauen und ihrer Familien, die in einem kleinen Dorf im Baskenland leben, zur Zeit, als die ETA ihren lange währenden Unabhängigkeitskampf beginnt. Einst eng befreundet werden sie schlagartig zu erbitterten politischen Widersachern.

Aramburo versteht es auf meisterhafte und mitreissende Weise, eine äußerst komplexe historische Geschichte um die baskische Unabhängigkeitsorganisation anhand von zwei Familiengeschichten, zu erzählen. Immer wieder wechselt er dabei die Erzählperspektive, schert sich um keine Chronologie und schafft es am Ende doch, alles auf verblüffende Art und Weise zusammenzuführen.

Dem regelrechten Sog, der sich beim Lesen dieses Romans unweigerlich einstellt, können wir uns nur schwer entziehen.

Ein berührender Roman, der uns mit der Frage konfrontiert: "Gibt es die Möglichkeit der Aussöhnung mit den Tätern von damals, über alle erlittenen Schrecken hinweg?" 

Völlig zurecht wurde dieser Roman mit den größten spanischen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Fernando Aramburo: "Patria", Rowohlt Verlag, 14 €

 

 

 

 

Céline Minard: Das große Spiel

Eine Frau steigt aus: Sie lebt, zurückgeworfen auf sich selbst, im Gebirge, verbringt ihre Zeit in ihrer selbst entworfenen High-Tech-Wohnkapsel, sie bestellt ihren Garten, sie angelt, sie wandert, sie liest, sie philosophiert, sie erkundet ihre Umgebung, sie erforscht sich selbst. Denn sie, diese namenlose Ich-Erzählerin, ist einzige Probandin eines selbst gesetzten Experiments: wie besteht der Mensch in der Einsamkeit, außerhalb der Gesellschaft und ihrer Beziehungsmuster, die sie verortet im Spannungsfeld zwischen Versprechen und Drohung? 

Das Experiment scheitert auf kuriose Weise. Was bleibt, ist "Das große Spiel".

Die Neugierde auf die Autorin dieses vielleicht außergewöhnlichsten Roman des Bücherfrühlings hat mich auf die LitCologne gebracht. Dort las Céline Minard, tiefenentspannt zurückgelehnt in ihrem Stuhl, gekleidet in einem schwarzen Anzug, Kraft und Ruhe ausstrahlend - das Modell ihrer Protagonistin.

Céline Minard: Das große Spiel, Matthes & Seitz, 20 €

 

 

 

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky kann zaubern. Über die Lektüre ihres Romans „Was man von hier aus sehen kann“ wirken ihre Kräfte vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder literarischer Bildung im tiefsten Inneren eines Menschen. Ein breites Lächeln, gerundete Augen, die Körpersprache seliger Versunkenheit sind nur äußere Symptome, drei von vielen.

Haben wir je zuvor ein solches Buch in deutscher Sprache lesen dürfen? Eines, das alle verzückt, auch die schärfsten Kritiker des Feuilletons? Das in einem Dorf in tiefer Provinz die ganze Welt abbildet und hier die großen Themen ausbreitet, das Leben, das Sterben und vor allem die Liebe, die nahe und die ferne, die unerreichbare und die sich erfüllende? Das immer wieder ein Okapi als Todesboten in die Träume von Großmutter Selma entsendet und den magischen Realismus im Westerwald neu beheimatet? Das vom Wunder des Menschseins erzählt, indem es über ein Vierteljahrhundert seine Dörfler begleitet, ein jeder ausgeprägt individuell bis extrem skurril, aber vorbehaltlos liebenswert? Das weiß, dass alles eins ist und „die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben“ einfordert?

Das, nachdem die letzte Seite gelesen ist, mit seinem Charme, seiner Fantasie, seinem Witz und seiner Originalität unwiderstehlich dazu verführt, sofort nochmals von vorne zu beginnen?

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“, DuMont Verlag, 12 €

 

 

 

 

Daniel Kehlmann: Tyll

Nach "Die Vermessung der Welt" hatte Daniel Kehlmann öffentlich beschlossen, keine historischen Romane mehr schreiben zu wollen. Dann kam Tyll.  "Ich ging davon aus, dass man mich schon nicht einsperren würde", kommentierte er auf der Frankfurter Buchmesse. Hat man nicht, man feiert ihn: "Tyll" gilt als das brillanteste Buch dieses überaus brillanten Autors.

Dabei ist Tyll, lange bevor es ein historischer Roman ist, ein Manifest der Erzählkunst, das sich nicht so sehr schert um Fakten. Das beginnt schon sehr prägnant mit der titelgebenden Figur: der historische Till Eulenspiegels lebte drei Jahrhunderte vor der Zeit des Romans, vor dem 30jährigen Krieg.

Tyll ist bei Kehlmann der Narr, der hin und wieder nur auftritt, um vogelfrei auf einem Seil über den Köpfen zu tanzen, und das Feld oder Schlachtfeld zumeist denen überlässt, die wirklich närrisch sind. All denen, die diesen großen Krieg in Gang gesetzt haben oder ihn über drei Jahrzehnte aufrecht erhalten, allen voran dieser Winterkönig Friedrich I von Böhmen nebst Gattin Elisabeth Stuart. Wie sie, beide durchaus kindlichen Gemüts, auf der Suche nach einem Exil durch das verwüstete Land irren, das ist großartig beschrieben, detailreich, wortgewaltig, kunstfertig.

Dabei ist "Tyll" keineswegs ein Antikriegsbuch, allenfalls eines über den Wahnsinn, der zur Normalität geworden ist, ein farbenprächtiges Panorama aus düsteren Zeiten, eines über Könige und Feldherren, Universalgelehrte und Dichter, die Inquisition und auch einen Drachen. Der war, als er starb, 17000 Jahre alt und zu müde, um sich weiter zu verstecken.

Danie Kehlmann: "Tyll", Rowohlt, 12 €

 

 

 

 

Sabrina Janesch: Die goldenen Stadt

Vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass der wirkliche Entdecker der Inkastadt Machu Pichu in Peru, ein Deutscher namens Rudolf August Berns ist. 1867 und somit lange vor dem bis dahin geltenden Entdecker, dem Amerikaner Hiram Bingham, der die Stadt 1911 entdeckt haben soll.
Das hat die Autorin dazu gebracht sich auf die Spuren dieses Deutschen zu begeben, von dem man bis dahin so wenig wusste. Sie hat für diesen Roman seine Geschichte recherchiert, sich durch viele Archive und Aufzeichnungen gelesen und sich auf die Reise in die Anden gemacht, auf die Spuren von Rudolf August Berns.
Wir erfahren, dass Rudolf August Berns 1842 als Sohn eines Weinhändlers in Uerdingen zur Welt kommt. Schon als kleiner Junge hat er am Rhein Gold gewaschen und sich in ferne Länder und Welten geträumt, stark beeinflusst durch die Schriften von Alexander von Humboldt, den er in Berlin wahrscheinlich sogar einmal getroffen hat. 
Er beschliesst sich auf den Weg nach Peru zu machen, um die goldene Stadt, von der er schon so viel gelesen hat, zu finden.
In Peru angekommen, nennt er sich fortan Rudolfo Augusto Berns, er arbeitet als Ingenieur und Vermesser beim Bau der Eisenbahn mit, ist beim Bau des Panamakanal beteiligt…
… um dann schließlich die sagenumwobene Stadt der Inka zu entdecken.
Dieses Buch ist ein großes Lesevergnügen, ein großer Abenteuerroman, sehr gut recherchiert, phantastisch und fesselnd erzählt mit einem sehr sympathischen Helden. Er zeigt, was es bedeutet für seine Träume zu leben und ist eine Hommage an die Grenzenlosigkeit der menschlichen Neugier.

Sabrina Janesch: "Die goldenen Stadt", Rowohlt, 12 €

 

 

 

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Eitan Grein arbeitet seit kurzem als Neurochirurg in einem neuen Krankenhaus. Aus Tel-Aviv stammend, ist er mit Frau und Kindern in den staubigen Süden von Israel gezogen. Er ist Anfang 40, ein guter Arzt, politisch links, ein "sogenannter" aufrechter Charakter.

Nach einer langen zwanzig Stunden-Schicht im Krankenhaus, ohne Schlaf, steigt er eines Abends in sein Auto um nach Hause zu fahren. Eigentlich hundemüde, aber noch mit einem Rest Adrenalin im Körper, beschließt er durch die Negev Wüste zu fahren. Dort überfährt er einen illegalen, afrikanischen Immigranten und begeht Fahrerflucht, nachdem er erkennt, dass er nichts mehr für den Mann tun kann.

Am nächsten Morgen ist sein Leben nicht mehr das, was es am Tag zuvor war.... 

Dieses Buch ist spannend erzählt wie ein Kriminalroman und es zeigt, wie Menschen in Situationen geraten können, in denen hohe Ideale, aber auch Lebenslügen, der Realität nicht mehr standhalten können. "Löwen wecken" ist eine nachhaltige Verstörung, ein existentialistischer Roman, der den Leser veranlasst, seine eigene Position immer wieder neu zu hinterfragen - wie würde ich handeln?

Absolut lesenswert!

Ayelet Gundar-Goshen: "Löwen wecken", Kein & Aber, 13 €

 

 

 

 

 

Isabel Bogdan: Der Pfau

Jetzt neu als TB, schon nach Erscheinen 2016 einer unserer Lieblinge
„Der Pfau“ ist eine locker erzählte Gesellschaftssatire, sie spielt in dem mehr alt- als ehrwürdigen Herrenhaus von Lady und Lord McIntosh.
Um den Unterhalt des Gebäudes zu finanzieren, vermieten sie  gelegentlich einen ansonsten unbewohnten Flügel an Gäste. Da kommt es ihnen sehr gelegen, dass sich im Spätherbst eine Gruppe von Bankern aus London meldet, um in der Abgeschiedenheit der schottischen Highlands ein Teambilding- Seminar durchzuführen.

 Das Zusammentreffen von britischer Upper Class mit den Bankern einerseits und einer manchmal etwas überforderten Seminarleiterin, den pragmatischen Hausangestellten, Lord und Lady sowie mehreren Tieren andererseits, bietet Stoff für diese dynamische Komödie.
Eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt dabei einer von fünf Pfauen, ein Männchen, die auf dem Landgut leben. Leider hat dieser neuerdings die Angewohnheit, alles Blaue als seine Konkurrenz anzusehen und anzugreifen. Der Blaumetallic- Lackierung des Wagens der Abteilungsleiterin bekommt das nicht gut, was zu allerlei Verwicklungen führt.

Als Leser hat man sofort Bilder im Kopf, gespeist von Fernsehfilmen wie „Downton Abbey“ oder „ Inspector Barnaby“, die für eine heimelige Grundstimmung sorgen.
Aber keine Angst, Sie erwartet kein kitschiges Romänchen, dafür sorgt schon die Tatsache, dass Idie Autorin schon seit Jahren als Übersetzerin anspruchsvoller englischer Autoren gearbeitet hat, bevor sie dieses Buch schrieb und darüberhinaus wunderbar mit Sprache umzugehen versteht.

Isabel Bogdan: "Der Pfau", Insel, 10 €

 

 

 

Antoine Laurain: Der Hut des Präsidenten

Nach dem erfolgreichen Roman “ Liebe mit 2 Unbekannten“ hat Antoine Laurain wieder einen äußerst charmanten Roman veröffentlicht.

Wir sind in Paris, im Jahr 1986, und es regiert Francois Mitterand.
Der Buchhalter Daniel Mercier sitzt in einer Brasserie, die eigentlich etwas zu teuer für ihn ist, aber er hat heute das Bedürfnis, sich etwas zu gönnen. Mit viel Glück hatte er einen Tisch ergattert, freut sich auf seine Meeresplatte Royal und eine Flasche Burgunder, da betritt Francois Mtiterand das Lokal, um genau am Nebentisch mit seinen Freunden zu speisen. Daniel geniesst die Zeit in so prominenter Nachbarschaft. Nachdem der Präsident das Lokal verlassen hat, bemerkt Daniel dessen vergessenen Hut und beschließt spontan, ihn an sich zu nehmen. Am nächsten Tag trägt er ihn mit neu erwachtem Selbstbewusstsein.

Und so beginnt die Geschichte des Hutes, der noch öfter verlorengeht und das Leben der Menschen, die ihn finden, immer  positiv verändert. 
Liegt es an der Magie des Hutes, durch die die bisher verborgenen Seiten der Menschen sichtbar werden? Was braucht es, um dem Leben eines Menschen eine andere Richtung zu geben?

Die Erfolgsgeschichten werden vom Autor so liebevoll beschrieben, dass man das Gefühl bekommt, selbst in Paris in einem Bistro zu sitzen und Alles mit eigenen Augen zu beobachten.
Das ideale Buch für eine entspannte Auszeit!

Antoine Laurain: "Der Hut des Präsidenten", Droemer Knaur, 10,99 €

 

 

 

 

Mathieu Ricard „Glück“, das vielleicht wichtigste Buch in unserem LeseZeichen

Ricard, Franzose, Sohn eines Philosophen und einer Malerin, Neffe des ersten Einarmumseglers der Welt, aufgewachsen im Dunstkreis von Intellektualität, Künstler- und Abenteurertum, studierter und promovierte Biologe, Mitarbeiter des institut pasteur. Das sind nur die Kerndaten einer vergleichsweise kurzen Phase seiner Biografie. Sein Leben begann nach eigener Aussage erst danach: mit der Entdeckung des tibetischen Buddhismus. Zu dessen Kernaussage bahnt er uns in „Glück“ in klaren, einfachen Worten einen Weg: An welchem Ort der Welt Sie auch immer ihr Glück suchen: Sie suchen vergebens. Das Glück, es liegt ganz nah – in uns – und nur da.

 

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