Jonathan Franzen: Crossroads

 

Chicago, 23. Dezember 1971: Russ Hildebrandt, evangelischer Pastor in einer liberalen Vorstadtgemeinde steht im Begriff sich aus seiner Ehe zu lösen - sofern seine Frau Marion, die ihr eigenes Leben lebt, ihm nicht zuvor kommt. Ihr ältester Sohn Clem kehrt von der Uni mit einer Nachricht nach Hause zurück, die seinen Vater moralisch schwer erschüttern wird. Clems Schwester Becky, lange Zeit umschwärmter Mittelpunkt ihres Highschool-Jahrgangs, ist in die Musikkultur der Ära ausgeschert, während ihr hochbegabter jüngerer Bruder Perry, der Drogen an Siebtklässler verkauft, den festen Vorsatz hat, ein besserer Mensch zu werden. Ein einziger schicksalhafter Wintertag - virtuos aus mehreren Perspektiven erzählt. Jonathan Franzens Roman über eine Familie am Scheideweg, über Sehnsucht und Geschwisterliebe, über Lügen, Geheimnisse und Rivalität ist Auftakt einer Trilogie ("Ein Schlüssel zu allen Mythologien") über drei Generationen einer Familie aus dem Mittleren Westen. Ein literarisches Großprojekt und ein kraftvolles Gesellschaftspanorama.

 

Jonathan Franzen: Crossroads - Ein Schlüssel zu allen Mythologien #1, Rowohlt, 28 €

 

 

 

 

Jasmin Schreiber: Der Mauersegler

Menschen träumen vom Fliegen, wovon träumt ein Mauersegler? Vielleicht vom Fallen, so wie wir an der Grenze zwischen Wachsein und Schlaf. Im freien Fall befindet sich auch Prometheus, als sein bester Freund Jakob stirbt. Nach einer überstürzten Flucht vor Polizei, Familie und sich selbst schlägt er am dänischen Strand auf. Der Mauersegler erzählt von einem Mann, der unter seiner Schuld zu zerbrechen droht. Und von zwei Frauen, die wenig Fragen stellen - wie alle Menschen, die ihre eigenen Geheimnisse haben. Die Geschichte einer großen Freundschaft, eines unerwarteten Todes und der Suche nach Vergebung

 

Schon in Ihrem Debütroman "Marianengraben" erzählte die studierte Biologin von Schmerz und Verlust und zeigte dort auf beeindruckende Weise, dass man sich auch humorvoll einem traurigen Thema nähern kann.

 

Jasmin Schreiber: Der Mauersegler, Eichborn, 22 €

 

 

 

 

Gisela Steinhauer: Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm

Wenn das Leben neue Wege geht ... Von Menschen mit Mut zum Neuanfang

 

Die Journalistin und Autorin Gisela Steinhauer hat in den letzten 30 Jahren Tausende von Menschen interviewt, und von denen, die sie am meisten beeindruckt haben, erzählt dieses Buch. Gisela Steinhauer hörte zu und fragte nach und lernte nicht vorschnell zu urteilen. Sie ist der festen Überzeugung, dass der eine oder die andere darunter ist, der oder die uns vielleicht zu einem eigenen Umdenken und Neuanfang begeistern können. Wir lernen "schräge Vögel" kennen, die ihre Flugrichtung geändert haben. Den Schreiner aus Bochum, der zum Ritter geschlagen wurde, einen U-Boot-Kommandanten, der sich zum Schamanen ausbilden ließ, eine Bembel-Töpferin, die in den Sinai zog und Touristen durch die Wüste führt - um nur einige zu nennen.

 

Gisela Steinhauer: Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm, Westend, 18 €

 

 

 

Daniela Krien: Der Brand

 

Was tun, wenn die Liebe älter wird? - Rahel und Peter haben sich nach fast 30-jähriger Ehe verloren. Nun soll sich in einem 3-wöchigen Urlaub auf einem Bauernhof in der Uckermark zeigen, ob es für die beiden noch einen gemeinsamen Weg gibt.

Unspektakulär und in kurzen, aneinandergereihten Sätzen erzählt Daniela Krien diese Geschichte, aber dennoch ist mit jedem Wort spürbar, was in diesen mit sich und der Welt ringenden Figuren vor sich geht.

 

Eine kluge, völlig in ihren Bann ziehende Lektüre.

 

Daniela Krien: Der Brand, Diogenes Verlag, 22 €

 

 

Ayelet Gundar-Goshen: Wo der Wolf lauert

 

Lilach Schuster führt ein sorgenfreies Leben in Kalifornien mit ihrem erfolgreichen Ehemann und ihrem heranwachsenden Sohn Adam. Sie hat das Gefühl angekommen zu sein in einem Land, in dem man sich nicht in ständiger Gefahr wähnen muss wie in ihrer Heima Israel.Doch dann stirbt auf einer Party ein Mitschüler von Adam. Und je mehr sie über die Umstände des Unglücks erfährt, desto mehr stellt sie sich die Frage, ob ihr Sohn etwas mit diesem Tod zu tun hat. Ayelet Gundar-Goshen führt uns in ihrem psychologisch raffinierten Roman vom Licht ins Dunkle und deckt auf, das uns oft die Menschen die größten Rätsel aufgeben, die wir am besten zu kennen glauben.

 

Ayelet Gundar-Goshen: Wo der Wolf lauert, Kein & Aber, 25 €

 

 

 

Malachy Tallack: Das Tal in der Mitte der Welt

 

Shetland - Schafe und Natur, unbarmherziges Wetter, enge Bindungen und althergebrachte Lebensweisen. Hier, in dem Tal auf einer kleinen Insel, hat David sein ganzes Leben verbracht, wie vor ihm sein Vater und sein Großvater. Hier will Sandy eine neue Heimat finden, hier hat Alice nach dem Tod ihres Mannes Zuflucht gesucht. Aber die Zeiten ändern sich, Menschen sterben oder ziehen weg, und David fragt sich, wie die Geschichten und Traditionen seines Tals weitergeführt werden sollen, während andere zweifeln, ob sie jemals dazugehören werden. Die Geschichte des kleinen Tals birgt die ganze Welt.

Ein wunderschönes und ruhiges Buch hat der schottische Autor und Singer-Songwriter über seine Heimat die Shetlandinseln geschrieben. Ein Buch, das seine tiefe Verbundenheit für das Land und die Menschen zum Ausdruck bringt.

 

Malachy Tallack: Das Tal in der Mitte der Welt, Luchterhand Literaturverlag, 20 €

 

 

 

Judith Hermann: Daheim

 

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch:

Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.

Eine junge Frau hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.

Völlig zu Recht nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021!

 

Judith Hermann: Daheim, S. Fischer, 21 €

 

 

 

Steffen Kopetzky: Monschau

 

Im Jahr 1962, als das nukleare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, als in Algier und Paris Bomben explodieren, bricht im Wirtschaftswunder-Deutschland der junge Mediziner Nikolaos Spyridakis in die Eifel auf. Es ist eine heikle Mission: Im Kreis Monschau sind die Pocken ausgebrochen, hochansteckend und lebensgefährlich. Mitten im Karneval droht nun Stillstand, Quarantäne. 

Offensichtlich angeregt durch die aktuelle Pandemie hat der Autor seinen Roman über ein kaum bekanntes Kapitel deutscher Geschichte in packende Literatur verwandelt. Allerhand Zeitgeschichtliches, von Kennedy über den Cool Jazz bis zu den allgegenwärtigen Stuyvesant-Zigaretten, begegnet uns in diesem Roman in dem sogar noch Platz ist für eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen griechischen Mediziner und einer Firmenerbin.

 

Steffen Kopetzky: Monschau, Rowohlt Berlin, 22 €

 

 

Ewald Arenz: Der große Sommer

 

Hier im LeseZeichen sind wir uns alle einig. Dieses Buch ist großartig und hat das Zeug zum Lieblingsbuch. Schon „Alte Sorten“ hat den Weg in unser Herz, und auch auf die Bestsellerlisten gefunden. „Der große Sommer“ ist anders, klug und warmherzig beschreibt er die Momente, die jeder von uns kennt und die uns für immer verändern.

 

Nachprüfungen in Mathe und Latein. Das sind keine Aussichten für entspannte Sommerferien. Für Frieder fällt der Familienurlaub aus. Stattdessen heißt es Lernen beim strengen Großvater. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. In diesen Wochen erlebt Frieder alles: Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen, Liebe und Tod. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird.

 

Unbedingt lesen!!!! 

 

Ewald Arenz: Der große Sommer, DuMont Verlag, 20 €

 

 

Helga Schubert: Vom Aufstehen

 

Ein Jahrhundertleben - verwandelt in Literatur
Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. Helga Schubert erzählt in kurzen Episoden und klarer, berührender Sprache ein Jahrhundert deutscher Geschichte - ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Mehr als zehn Jahre steht sie unter Beobachtung der Stasi, bei ihrer ersten freien Wahl ist sie fast fünfzig Jahre alt. Doch erst nach dem Tod der Mutter kann sie sich versöhnen: mit der Mutter, einem Leben voller Widerständen und sich selbst.

 

Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, studierte an der Humboldt-Universität Psychologie. Sie arbeitete als Psychotherapeutin und freie Schriftstellerin in der DDR und bereitete als Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches die ersten freien Wahlen mit vor. Nach zahlreichen Buchveröffentlichungen zog sie sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020, im Alter von 80 Jahren, mit der Geschichte 'Vom Aufstehen' den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann.

 

»Anrührend, sehr bewegend. Ein einfaches, gütiges Leben, mild und sanft beschrieben. « so schreibt  Elke Heidenreich über dieses Buch. Dem können wir uns nur anschließen!

 

Helga Schubert: Vom Aufstehen, DTV, 20 €

 

 

Benedict Wells: Hard Land

 

Wie schmerzhaft es sein kann, erwachsen zu werden, davon hat Benedict Wells zuletzt in seinem Bestseller „Vom Ende der Einsamkeit“ erzählt. In „Hard Land“ widmet er sich erneut diesem Thema: humorvoll, bittersüß und voller Zuneigung für seine Figuren.

 

Missouri 1985. Was tun, wenn der beste Freund nach Kanada gezogen ist und die Eltern einem eröffnen, dass man die großen Ferien bei seiner Tante und zwei verhassten Cousins verbringen soll? Um dem zu entfliehen nimmt der 15 jährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt Grady und entdeckt zudem auch, wer er selbst eigentlich ist. 

 

Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie "The Breakfast Club" und "Stand By Me" – eine Geschichte über das Erwachsenwerden und den Zauber eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

 

Benedict Wells: Hard Land, Diogenes, 24 €

 

 

Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Die alte Frau aber hüllt sich in Schweigen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert sich ihre einzige lebende Verwandte, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter Senta zu sprechen?

Ein Temporeicher Roman, über die Kulturwissenschaftlerin Hannah, die ein Bild sucht, das ihrer mit einem Juden verheirateten Großmutter von den Nazis geraubt wurde, handelt außerdem von den vielen Facetten der Mutterschaft. Genau das richtige, für all diejenigen, die gerne  Familiengeschichten mit hitsorischem Hintergrund lesen  

 

Schöner hätte die Autorin das Schicksal ihrer eigenen Familie nicht verarbeiten können.

 

Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid, DTV, 22 €

 

 

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

 

Alles klar: "Annette, ein Heldinnenepos" von Anne Weber, Trägerin des deutschen Buchpreises 2020, muss ich ein zweites Mal lesen! Damit ich dann einen dieser hellgrünen Marker zur Hand habe und all diese überaus klugen und brillant formulierten Sätze anstreichen kann. Beim ersten Lesen ging das nicht. Viel zu tief war ich eingetaucht in den Fluss dieser Geschichte um Ideal und Realität und Sisyphus. Und um Anne Beaumanoir, genannt Annette. Wir begleiten diese todesmutige kleine Frau durch ihr extremes Leben: im Widerstand gegen die deutsche Besatzung, im Einsatz für die Nationale Befreiungsfront Algeriens, vor Gericht und im Gefängnis, als Ärztin, Mutter, Ehefrau und Geliebte. Wir kommen ihr nah - aber nie zu nah - wir erleben auch ihre Widersprüche, ihre Zerrissenheit. Diese Heldin ist ein Wesen aus Fleisch und Blut: am 30. Oktober hat Anne Beaumanoir Geburtstag gefeiert, sie wurde 97 Jahre alt.

 

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos, Matthes & Seitz Berlin, 22 €

 

Benjamin Myers: Offene See

 

England im Jahr 1946. Der sechzehnjährige Robert empfindet eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Er begibt sich auf eine Wanderung, bevor er seiner Bestimmung, wie schon sein Vater unter Tage zu arbeiten, folgen soll. Einmal möchte er das Meer sehen und erleben.
Als er bereits einige Tage unterwegs ist und die Küste schon sichtbar ist, trifft er auf Dulcie, die dort mit Ihrem Hund in einem heruntergekommenen Cottage lebt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus einem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben.
 Als Dank für Ihre Großzügigkeit bietet Robert seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet Dulcie ihm dieses. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.
Offene See ist eine wunderbare in ruhigen und poetischen Tönen erzählte Geschichte rund um die Frage, wer man ist und wer man sein will. Ein Roman voller Naturbeschreibungen, tiefgründiger Charakterisierungen und einer Geschichte, die sehr berührt.

 

Benjamin Myers: Offene See, Dumont, 12 €

 

 

Fabio Andina: Tage mit Felice

 

 

Eines der besten Bücher gegen den Corona-Blues: sein Held ist Felice, ein 90 Jahre alter Kauz aus einem Tessiner Berdorf, ein so einfacher, klarer, freier Geist. Mit ihm steigen wir frühmorgens barfuß auf zum täglichen Bad in einer eiskalten Gumpe, sammeln Kräuter für Abenteuertees, tauschen Pilze gegen Käse, pflücken Kakis, schlagen Holz, pflegen unsere Rituale, leben glücklich alleine in dem kleinen Haus und glücklich in der Gemeinschaft der anderen Dörfler, schrullige Typen wie unser Felice. 

Da passiert nicht viel, doch alles bringt uns zurück zu dem, was wirklich wichtig ist im Leben.

 

Fabio Andina: Tage mit Felice, Rotpunktverlag Zürich, 24 €

 

 

Mary Beth Keane: Wenn du mich heute wieder fragen würdest

 

Als die Gleesons und die Stanhopes in dieselbe Nachbarschaft ziehen, scheinen die Weichen für ein freundschaftliches Miteinander gestellt, sind die beiden Familienväter zudem Kollegen bei der New Yorker Polizei. Lena Gleeson fühlt sich in der neuen Gegend ein wenig einsam und versucht mit Anne Stanhope Freundschaft zu schließen. Doch deren kühle, distanzierte Art verhindert jeden Kontakt. Erst ihre Kinder bringen die Gleesons und die Stanhopes wieder miteinander in Verbindung. Lenas jüngste Tochter Kate und Annes einziger Sohn Peter sind von Anfang an unzertrennlich. Aber ihre aufkeimende Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als eine Tragödie beide Familien für lange Zeit auseinanderreißt.  

 

Nur eine moderne Romeo-und-Julia-Geschichte? Nein. Dieser Roman ist viel mehr.

Ein Familienroman, ein Pageturner im besten Sinne, der vom Existenziellen handelt - vom Vergeben und Verzeihen, beeindruckend und psychologisch tiefgründig erzählt. Mary Beth Keane nennt unter anderem Elizabeth Strout als Vorbild. Eine ausgezeichnete Wahl, die ihrem Schreiben ganz offensichtlich zu Gute kommt. 

 

Mary Beth Keane: Wenn du mich heute wieder fragen würdest, Eisele Verlag, 16 €

 

 

Jasmin Schreiber: Marianengraben

 

Paula schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit, als ein Unfall plötzlich alles ändert. Ihr kleiner Bruder Tim, den sie mehr als alles in dieser Welt geliebt hat, kommt bei diesem Unfall ums Leben und auf einmal ist nichts mehr, wie es vorher war. Paula rutscht in eine tiefe Depression, ihre Trauer überschattet plötzlich alles. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Kerl, den sie eines nachts zufällig auf dem Friedhof kennenlernt, weckt in ihr neuen Lebensmut, sie nähern sich an und begeben sich auf eine gemeinsame abenteuerliche Reise in die Berge.
Jasmin Schreiber hat einen Roman geschrieben, der ein sehr trauriges Thema behandelt. Es geht um den Tod und die Gefühle der Hinterbliebenen. Und sie weiß worüber sie schreibt, ehrenamtlich hat sie sich lange Jahre als Sterbebegleiterin engagiert. Dennoch zieht dieses Buch trotz aller Traurigkeit den Leser nicht runter - das macht den Roman so besonders. Immer wieder gibt es Szenen und Momente, die wirklich komisch sind und den Leser zum Lachen bringen. Dass Witz in einem so traurigen Buch funktioniert, zeigt Jasmin Schreiber auf beeindruckende Weise hier in ihrem Debütroman.

 

Jasmin Schreiber: Marianengraben, Eichborn, 12 €
 

 

Marco Bolzano: Ich bleibe hier

 

Wir befinden uns in einem idyllischen Bergdorf im Südtirol der 30er und 40er Jahre. Die Faschisten unter Mussolini haben die Macht übernommen und stellen die Menschen vor die Wahl: entweder nach Deutschland auszuwandern, oder als Bürger 2. Klasse in Italien zu bleiben. Trina, eine junge Lehrerin, entscheidet sich in ihrem Dorf zu bleiben, obwohl sie hier nicht unterrichten darf. So unterrichtet sie heimlich unter großen Gefahren, aber mit viel heimlicher Unterstützung. Und sie bleibt auch nach dem Krieg, als das Dorf einem Stausee weichen soll ...!
Marco Bolzano erzählt in "Ich bleibe hier" mit einfühlsamer Sprache die Geschichte dieser jungen kämpferischen Frau. Gleichzeitig erinnert er uns aber auch an die zu oft vergessene Geschichte Südtirols.

 

Marco Bolzano: Ich bleibe hier, Diogenes, 22,- €

 

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

 

Mariana Leky kann zaubern. Über die Lektüre ihres Romans „Was man von hier aus sehen kann“ wirken ihre Kräfte vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder literarischer Bildung im tiefsten Inneren eines Menschen. Ein breites Lächeln, gerundete Augen, die Körpersprache seliger Versunkenheit sind nur äußere Symptome, drei von vielen.
Haben wir je zuvor ein solches Buch in deutscher Sprache lesen dürfen? Eines, das alle verzückt, auch die schärfsten Kritiker des Feuilletons? Das in einem Dorf in tiefer Provinz die ganze Welt abbildet und hier die großen Themen ausbreitet, das Leben, das Sterben und vor allem die Liebe, die nahe und die ferne, die unerreichbare und die sich erfüllende? Das immer wieder ein Okapi als Todesboten in die Träume von Großmutter Selma entsendet und den magischen Realismus im Westerwald neu beheimatet? Das vom Wunder des Menschseins erzählt, indem es über ein Vierteljahrhundert seine Dörfler begleitet, ein jeder ausgeprägt individuell bis extrem skurril, aber vorbehaltlos liebenswert? Das weiß, dass alles eins ist und „die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben“ einfordert?
Das, nachdem die letzte Seite gelesen ist, mit seinem Charme, seiner Fantasie, seinem Witz und seiner Originalität unwiderstehlich dazu verführt, sofort nochmals von vorne zu beginnen?

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, DuMont Verlag, 12 €

 

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir

 

Endlich als Taschenbuch verfügbar, dieser Roman, der uns allen den Atem verschlagen hat. Der berichtet von der 40jährigen Lehrerin Ilaria, die glaubte, ihren Vater und ihre Familie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters ... Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.
Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im "richtigen" Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir, btb, 12 €

 

 

Juli Zeh: Socke und Sophie - Pferdespreche leicht gemacht

 

Der Traum vom eigenen Pferd - und die Realität ...

Für die 12-jährige Sophie geht ein Traum in Erfüllung, als sie Pony Socke in Pflege nehmen darf. Aber schnell wird deutlich, dass sich die beiden nicht verstehen. Denn Socke wurde misshandelt und hat jedes Vertrauen in die Menschen verloren. Bevor das Pony als Problempferd abgeschrieben wird muss Sophie die Pferdespreche lernen. Dieses Buch bietet die perfekte Kombination aus Pferdewissen und Pferdegeschichte - Pferdeexpertin Jui Zeh erklärt altersgerecht die Pferdesprache, und am Ende wird sogar Sophie zur Pferdeflüsterin.

 

Juli Zeh: Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht, DTV, ab 10 J., 14,95 €

 

 

Judith Allert: Fräulein Neugierig

 

Eigentlich gehört "neugierig sein" nicht immer zu den besten Eigenschaften. aber dass Neugierde manchmal auch von Vorteil ist, zeigt uns dieses wunderschön witzig illustrierte und mit vielen Wortspielen ausgestattete Bilderbuch aus dem Magellan Verlag. Fräulein Neugierig ist einfach fürchterlich neugierig und alle sind ziemlich genervt davon. Aber als die kleine Schildkröte verschwindet, wird klar, wie gut es ist, dass die Giraffe ihren langen Hals überall hinsteckt.

 

Judith Allert: Fräulein Neugierig, Magellan Verlag, ab 3 J., 14 €

 

 

Nana Neßhöver: Die kleine Fledermaus Wegda

 

Im Mittelpunkt dieses neu erschienenen Vorlesebuchs steht eine kleine, tollpatschige Fledermaus mit viel zu großen Füßen und Flügeln. Deshalb warnt sie auch immer die anderen Tiere vor: "Weg da, ich komme." Ihr Name ist also Programm. Das Buch enthält sechs in sich abgeschlossene Geschichten, und alle enden mit Wegdas Einschlafritual:

Sie putzt sich ihre Eckzähnchen und gibt einen Gutenachtkuss. Ideal also um einen kleinen Wirbelwind zuhause auf eine geruhsame Nacht vorzubereiten.

 

Nana Neßhöver: Die kleine Fledermaus Wegda, Carlsen, ab 4 J., 13 €

 

 

Charlotte Inden: Bei mir zu Hause wohnt ein Tiger

 

In diesem Buch sind 42 kleine Alltagsgeschichten versammelt, die alle vom 3-jährigen Oskar handeln, der mit seinem Plüschtiger Theo, seiner Schwester Klara und seinen Eltern in einem Jahr eine ganze Menge erlebt. Mit Oskar gibt es jeden Tag viele neue Dinge zu entdecken und zu lernen: Dinge zum Lachen und Staunen, zum Diskutieren und zum Ausprobieren, manchmal auch zum Zweifeln oder Traurigsein. Die Geschichten sind stimmig von kleinen Zeichnungen begleitet. Sie eignen sich besonders für das abendliche Vorleseritual, denn die Kinder können Oskars Alltagsabenteuer zum Anlass nehmen vom eigenen Tag zu erzählen. Und wer Oskar lieb gewonnen hat, freut sich darüber, dass jetzt der zweite Band erscheinen ist mit 38 neunen Geschichten von unserem kleinen Helden.

 

Charlotte Inden, Bei mir zu Hause wohnt ein Tiger, Hanser, 13 €, ab 3 Jahren

 

 

Satomi Ichikawa: Kleines Pferdchen Mahabat

 

Djamilia kommt in den Sommerferien aus der Stadt in die Berge Kirgistans zu ihren Großeltern, die dort Pferde züchten und in einer Jurte wohnen. Eines Abends wir Scharzfell vermisst, ein junges Fohlen. Leicht verletzt kehrt es zurück, und das kleine Mädchen übernimmt mit dem Großvater zusammen die Pflege. Djamilia gewinnt das Vertrauen des jungen Tieres und gibt ihm schließlich einen neuen Namen: Mahabat - das heißt Liebe auf Kirgisisch. Die Autorin Satomi Ichikawa kam in den 70er Jahren aus Japan nach Paris. Sie begann, ohne jemals Unterricht bekommen zu haben, zu zeichnen und Kinderbücher zu illustrieren. Die in diesem Buch beschriebene Familie hat sie auf einer Reise kennengelernt. Ihr ist es ein Anliegen, mit ihren Büchern die Neugier auf andere Lebenswelten zu wecken. Das ist ihr hier mehr als gelungen!

Sabine Wengler vom Buchmarkt schreibt: "Satomi Ichikawa zeigt einen ganz eigenen Kosmos, in dem es kein WLAN braucht, um glücklich zu sein." Diesen Worten können wir uns nur anschließen.

 

Satomi Ichikawa: Kleines Pferdchen Mahabat, Moritz Verlag, ab 4 Jahren, 14 €

 

 

 

Torben Kuhlmann: Einstein

 

Jetzt hat die kleine Maus doch tatsächlich das große Käsefest in Bern verpasst!

Genau einen Tag ist sie zu spät gekommen. Wie konnte das passieren?

Die Maus beginnt sich mit dem Thema Zeit zu beschäftigen. Lässt sich die Zeit anhalten oder sogar zurückdrehen? Mit viel Erfindungsgeist und der Hilfe von

Albert Einsteins Theorien baut sie sich eine Zeitmaschine und begibt sich auf eine spannende Reise.

Der Autor Torben Kuhlmann spielt mit allen Elementen einer fantastischen und doch auch wissenschaftlich angelegten Geschichte. Sein Mix aus wissenschaftlicher Geschichte und absolut an den Haaren herbeigezogener Mäuse-Legende ist faszinierend und brillant zugleich. Nach "Lindbergh", "Armstrong", "Edison" und der "Maulwurfstadt" widmet sich

der Autor jetzt einem Nobelpreisträger - lehrreich und interessant für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

 

Torben Kuhlmann, Einstein, Nord Süd Verlag, 22 €, ab 5 Jahren

 

 

Ursula Poznanski: Buchstabendschungel

 

Ursula Pznanski kennt man als Autorin von Thrillern für Jugendliche und Erwachsenen, wie z. B. "Erebos". Sie kann aber auch anders: "Buchstabendschungel" ist eine bezaubernde Buchstaben-Geschichte zum Vor- und ersten Selberlesen, Mitraten und Weiterdichten.

Nach einem Sturm im Dschungel sammelt der kleine Affe viele lustig geformte bunte Dinge ein. "Das sind Buchstaben", weiß der schlaue Papagei zu berichten. "Die hat bestimmt jemand verloren." Und tatsächlich begegnen Affe und Papgei bald sehr seltsamen Tieren, denen etwas zu fehlen scheint: ein Iger, eine Lange, eine Ledermaus, ein Al ....

Ideal für Kinder, die anfangen sich für Buchstaben zu interessieren und vielleicht auch schon ihren Namen schreiben können.

 

Ursula Pznanski, Buchstabendschungel, ab 5 Jahren, Loewe, 9,95 €

auch als Hörbuch bei Audiolino erschienen, 9,90 €

 

 

Stéphanie Lapointe: Fanny Cloutier

 

Die 14-jährige Fanny traut ihren Ohren nicht, als ihr Vater ihr aus heiterem Himmel eröffnet, dass er aufgrund seiner Quallenforschung nach Japan reisen will. Bisher hatten Vater und Tochter ihr Leben als geruhsame Zweier-WG in Montreal verbracht. Nun steht Fannys Leben plötzlich Kopf. Sie soll bei ihrer Tante Loretta wohnen, einer Schwester ihrer früh verstorbenen Mutter. Fanny versteht die Welt nicht mehr, denn von dieser Verwandtschaft hat sie noch nie etwas gehört.

Der Autorin ist eine bezaubernde, witzige und spannende Geschichte über eine sehr eigenwillige, junge Heldin gelungen. Die Schwierigkeiten des Teenie-Alters werden verstrickt mit einem alten Familiengeheimnis, alles farbenfroh präsentiert, im Tagebuch-Stil, mit vielen vor Fantasie nur so sprühenden Zeichnungen und witzigen Ideen.

 

Stéphanie Lapointe: Fanny Cloutier, Loewe Verlag, ab 12 Jahren, 16,95 €

 

 

 

 

Mathieu Ricard „Glück“, das vielleicht wichtigste Buch in unserem LeseZeichen

 

Ricard, Franzose, Sohn eines Philosophen und einer Malerin, Neffe des ersten Einarmumseglers der Welt, aufgewachsen im Dunstkreis von Intellektualität, Künstler- und Abenteurertum, studierter und promovierte Biologe, Mitarbeiter des institut pasteur. Das sind nur die Kerndaten einer vergleichsweise kurzen Phase seiner Biografie. Sein Leben begann nach eigener Aussage erst danach: mit der Entdeckung des tibetischen Buddhismus. Zu dessen Kernaussage bahnt er uns in „Glück“ in klaren, einfachen Worten einen Weg: An welchem Ort der Welt Sie auch immer ihr Glück suchen: Sie suchen vergebens. Das Glück, es liegt ganz nah – in uns – und nur da.

 

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