Ursula Poznanski: Buchstabendschungel

 

Ursula Pznanski kennt man als Autorin von Thrillern für Jugendliche und Erwachsenen, wie z. B. "Erebos". Sie kann aber auch anders: "Buchstabendschungel" ist eine bezaubernde Buchstaben-Geschichte zum Vor- und ersten Selberlesen, Mitraten und Weiterdichten.

Nach einem Sturm im Dschungel sammelt der kleine Affe viele lustig geformte bunte Dinge ein. "Das sind Buchstaben", weiß der schlaue Papagei zu berichten. "Die hat bestimmt jemand verloren." Und tatsächlich begegnen Affe und Papgei bald sehr seltsamen Tieren, denen etwas zu fehlen scheint: ein Iger, eine Lange, eine Ledermaus, ein Al ....

Ideal für Kinder, die anfangen sich für Buchstaben zu interessieren und vielleicht auch schon ihren Namen schreiben können.

 

Ursula Pznanski, Buchstabendschungel, ab 5 Jahren, Loewe, 9,95 €

auch als Hörbuch bei Audiolino erschienen, 9,90 €

 

 

Dita Zipfel: Monsta

 

Ein Monster zu sein, ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Monsta ist frustriert:

Da hat es sich extra dieses Kind ausgesucht, um unter seinem Bett zu wohnen und ein bisschen Grusel zu machen. Und was passiert? Von Angst keine Spur! Klar, dass da auch das gruseligste Monsta irgendwann mit seinem Latein am Ende ist und sich einen neuen Job suchen muss.

 

Ein Bilderbuch für kleine und große Monsterfans, ab 4 Jahren!

 

Dita Zipfel, Monsta, Tulipan, 15 €

 

 

 

Astrid Lindgren : Ferien auf Saltkrokan - Ein Kaninchen für Pelle

 

Soeben ist die Geschichte von Pelle, der auch ein Haustier haben möchte, wie sein Freund Tjorven, als Bilderbuch erschienen. Das Abenteuer beginnt, als die beiden Kinder mit dem Milchgeld zur Nachbarinsel rudern, um dort für Pelle ein Kaninchen zu kaufen. Unbekümmert und abenteuerlustig - ein Vorlesespaß für kleine und große Leute ..... und für letztere auch ein Stück Kindheitserinnerung an einen Klassiker von der wunderbaren Astrid Lindgren.

 

Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan, Oetinger Verlag, 15 €

 

 

 

Onjali Q. Raúf: Der Junge aus der letzen Reihe

"In der letzten Reihe unseres Klassenzimmers gab es immer einen leeren Platz. Doch jetzt sitzt dort ein Junge namens Ahmet". Ahmet kommt aus Syrien nach England - ohne Eltern! Ich-Erzählerin Alex und ihre Freunde Michael, Tom und Josie beschließen sich um Ahmet zu kümmern. Sie schmieden einen Plan, um Ahmets Eltern zu finden. Dazu müssen sie unbedingt die Queen sprechen. Aber wie kommt man nur in den Buckingham-Palast?

Die Autorin Onjali Q. Raúf ist Autorin und Journalistin und Gründerin der Menschenrechtsorganisation "Making Herstory", die sich gegen Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt einsetzt. Außerdem engagiert sie sich als ehrenamtliche Helferin für Flüchtlinge, wobei ihr die Idee zu "der Junge aus der letzen Reihe" kam.

Ein beeindruckendes Buch für Leser*innen ab 8 Jahren

Onjali Q. Raúf: Der Junge aus der letzen Reihe, Atrium Verlag, 15 €

auch als  Hörbuch  erhältlich, Hörcompany, 16,95 €

 

 

Marianne Kaurin: Irgendwo ist immer Süden

 

Vielleicht sind die besten Sommerferien die, von denen du dachtest, es würden die schlimmsten werden.

Alle verreisen in den Sommerferien ins Ausland. Nur Ina bleibt zu Hause - dabei hätte sie so gerne auch spannende Urlaubspläne. Und plötzlich hört sie sich vor der Klasse sagen, sie würde in den Süden fahren. Damit die Lüge nicht auffliegt, bleibt Ina in den Ferien von morgens bis abends in ihrem Zimmer. Bis der Neue aus der Klasse sie am Fenster entdeckt und ihr einen verrückten Vorschlag macht.

 

Eine Feriengeschichte über richtige und falsche Freunde und die erste zarte Liebe. Sie macht Mut, für sich und seine Gefühle einzustehen, und dass die Welt nicht untergeht, wenn man Fehler macht.  Ein tolles Buch für junge Leserinnen und Leser ab 10 Jahren.

 

Marianne Kaurin: Irgendwo ist immer Süden, Woow Books, 15 €

 

 

Matthias Morgenroth: I can see u

Wir standen am Fenster neben dem Haupteingang und schauten in die Nacht. Wolken zogen über den Mond, die Schatten der Büsche tanzten im bleichen Licht.
Wir dachten alle dasselbe.  "Er ist irgendwo da draußen", flüsterte ich.

Als Ben neu in die Klasse kommt, ist Marie fasziniert: Ben sieht gut aus, ist immer freundlich und liest ihr geradezu die Wünsche von den Lippen ab. Endlich jemand, der sie wahrnimmt! Doch dann geschehen merkwürdige Dinge: Im Klassenchat kursieren Fake-Bilder von ihr, gut gehütete Geheimnisse ihrer Mitschüler verbreiten sich plötzlich wie ein Lauffeuer; und was ist das für ein "Auftrag", den der Neue angeblich hat? Langsam beginnt Marie zu ahnen, dass etwas Größeres dahintersteckt ...


Packend geschrieben und umfassend recherchiert!

Matthias Morgenroth: I can see u, ab 12 Jahren, Coppenrath, 16 €

 

 

Anne Freytag: Das Gegenteil von Hasen

Sie sind in derselben Jahrgangsstufe und trotzdem in verschiedenen Welten. Julia, Marlene und Leonard im Zentrum der Aufmerksamkeit, der Rest irgendwo in ihrer Umlaufbahn. Dann geschieht etwas, das alles verändert: Eines Morgens macht plötzlich eine Internetseite die Runde, die bis dato auf privat gestellt war. Darauf zu finden sind Julias ungefilterte Gedanken, Bomben in Wortform, die sich in kürzester Zeit viral verbreiten. Es sind Einträge, die ein ganz anderes Bild des beliebten Mädchens zeigen, das alle zu kennen glauben.

Wer hinter der Aktion steckt, ist zunächst unklar, doch nach und nach kommt heraus: Gründe dafür hätten einige.

Eine temporeich mit trickreicher Spannung erzählte Coming of Age Geschichte!

 

Anne Freytag, Das Gegenteil von Hasen, 14 - 99 Jahre, Heyne, 17 €

 

 

Ramona Badescu: Was macht die Fledermaus bei Tag?

 

Was macht die Fledermaus bei Tag?

Die Fledermaus ist gerade in den Wald gezogen und traut sich mit Hilfe des Eichhörnchens die neue Umgebung bei Tageslicht zu erkunden. Beeindruckt von all den Farben beginnt die Fledermaus zu malen und öffnet dabei den anderen Tieren die Augen für einen neuen Blick auf die Welt.

 

Eine Geschichte über Offenheit und Freiheit, liebevoll illustriert von Amélie Jackowski. 

 

Ramona Badescu: Was macht die Fledermaus bei Tag? Beltz Verlag, ab 6 Jahren, 14,95 €

 

 

 

Sybille Hein: Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken

 

Gemeinsam singen und Spaß haben - warum nicht? Dieses Buch kann uns dabei helfen und liefert die Ideen dazu. Denn hier steckt Zauberpulver drin. 170 laute, leise und lustige Lieder, liebevoll illustriert, mit einfachen Notensätzen und Gitarrengriffen und zahlreichen Sprach- und Bewegungsspielen plus beiliegender CD. Eine kleine Hörprobe vorab gibt es unter www.halli-hallo-halunken.de.

 

Sybille Hein: Halli Hallo Halunken, die Fische sind ertrunken, Beltz Verlag, für Kinder

von 6 - 12 Jahren 22,95 €

 

 

 

 

 

 

 

Christophe de Hody: Der Wildkräutersammler

Es grünt und sprießt gerade überall und die Natur lockt uns ins Freie!

In diesem Buch von Christophe de Hody werden 35 essbare und medizinisch nutzbare Pflanzen versammelt und mit ihren heilenden Eigenschaften, geschmacklichen Empfehlungen und Rezepten vorgestellt. Die eleganten Illustrationen von Juie Terrazzoni stellen die Schönheit der einzelnen Pflanzen heraus und machen dieses Buch zu einem ästhetischen Herbarium.

Der ideale Begleiter für die nächste Wildkräuterwanderung.

 

Christophe de Hody: Der Wildkräutersammler, Knesebeck, 22 €

 

 

 

Silke Heimes: Ich schreibe mich gesund

 

Vielleicht ist gerade diese Zeit die beste Zeit, eine neue Gewohnheit zu etablieren: um das Immunsystem zu stärken, den Blutdruck zu senken, die Lunge zu befreien, Angst zu vermindern, bei Depressionen zu helfen, gesund und glücklich zu werden – die Gewohnheit, jeden Tag 15 Minuten zu schreiben. Studien haben erwiesen: es funktioniert.

Wie es funktioniert, zeigt uns Prof. Dr. med. Silke Heimes. Die ausgebildete Poesietherapeutin und Professorin für Journalistik führt durch das von ihr entworfene 12-Wochen-Programm und damit, wie sie versichert, auf den Weg zu körperlichem und emotionalem Wohlbefinden.

 

Silke Heimes: Ich schreibe mich gesund, DTV, 18 €

 

Yorn: Gast im Glück

 

Frankreich lassen wir uns nicht verbieten! Wir reisen einfach im Kopf! Unser Transportmittel ist ein Buch, unser Reiseführer Yorn. Er führt uns mitten hinein ins „savoir vivre“, ins Glück.

Mit ihm ist Yorn gesegnet, ob als junger Mann in Paris, den Christian Dior vom Fleck weg als Assistenten engagiert, oder bei einer waghalsigen Wette mit Yves Saint Laurent; ob bei der Gründung seines eigenen Modelabels an den Champs-Élysées oder bei der Umsetzung der Idee, Pariser Chic nach Deutschland zu bringen – das Glück hat ihm stets gelacht. Und je mehr er sein Glück mit anderen teilt, desto größer wird es.

 

Yorn: Gast im Glück, Diogenes, 22 €

 

Willi Achten: Die wir liebten

 

Ohne Coronakrise hätten wir ihn sehr gerne zu einer Lesung empfangen, Willi Achten aus Vaals mit „Die wir liebten“. Um dann in unserem LeseZeichen miterleben zu dürfen, wie manche von Ihnen sich präzise erinnern und andere sich sehr lebendig einfinden in die Zeit des Romans, die 70er Jahre in der westdeutschen Provinz, diese Atmosphäre zwischen Bob Dylan und Heino, Revolte und Resignation. Sicher hätten sich inspirierende Gespräche ergeben.

Mit Coronakrise bleibt der starke Trost der Lektüre eines großartigen Romans, der Geschichte von den Brüdern Edgar und Roman und dem Erwachsenwerden in sehr schwierigen Zeiten.

Und wer weiß: Vielleicht werden wir nach der Coronakrise unsere Einladung nachholen...

 

Willi Achten: Die wir liebten, Piper, 22 €

 

Sasha Filipenko: Rote Kreuze

 

“Wenn Sie wissen wollen, was das moderne, junge Russland denkt, lesen Sie Filipenko!” - empfiehlt die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch.

Das Buch beginnt damit, dass ein junger Mann in eine neue Wohnung zieht. Er ärgert sich aber über ein rotes Kreuz, das auf seine Tür gemalt wurde und lernt im Hausflur seine Nachbarin kennen - eine 90 jährige Dame, die ihm erklärt, bei ihr sei Alzheimer diagnostiziert worden und sie versuche sich durch die Markierungen zu orientieren. Die alte Dame erzählt ihrem Nachbarn nach und nach ihre Geschichte, die das ganze russische 20. Jahrhundert mit all seinen Schrecken umspannt. Wir erfahren von ihrer Arbeit bei einer Behörde, wo sie täglich Post vom “Roten Kreuz” aus der Schweiz bekam, diese aber nicht öffnen durfte, von ihrem Mann, der Kriegsgefangener in Rumänien wurde und viele andere schreckliche Ereignisse in dieser Zeit. Sie selbst wird erst nach dem Krieg verhaftet, kommt in ein Lager, ihre Tochter wird ihr entrissen…

Ihre Berichte bringen die beiden Generationen zusammen, und sie schließen eine unerwartete Freundschaft.

Dieses Buch ist eine Lektüre, die man, hat man sie einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen kann!

 

Sasha Filipenko: Rote Kreuze, Diogenes, 22 €

 

 

Benjamin Myers: Offene See

England im Jahr 1946. Der sechzehnjährige Robert empfindet eine tiefe Sehnsucht zum Meer. Er begibt sich auf eine Wanderung, bevor er seiner Bestimmung, wie schon sein Vater unter Tage zu arbeiten, folgen soll. Einmal möchte er das Meer sehen und erleben.

Als er bereits einige Tage unterwegs ist und die Küste schon sichtbar ist, trifft er auf Dulcie, die dort mit Ihrem Hund in einem heruntergekommenen Cottage lebt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus einem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. 

 Als Dank für Ihre Großzügigkeit bietet Robert seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet Dulcie ihm dieses. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Offene See ist eine wunderbare in ruhigen und poetischen Tönen erzählte Geschichte rund um die Frage, wer man ist und wer man sein will. Ein Roman voller Naturbeschreibungen, tiefgründiger Charakterisierungen und einer Geschichte, die sehr berührt. 

 

Benjamin Myers: Offene See, Dumont, 20 €

 

 

Anne Tyler: Der Sinn des Ganzen

 

Micah Mortimer ist ein äußerst merkwürdiger Mensch, er liebt seine Gewohnheiten, Selbstgespräche und Ordnung. Er hat auch noch einen Nebenjob als Hausmeister, alles wunderbar strukturiert. Mit seiner Freundin Cass hat er ein unkompliziertes Verhältnis, bis ihr eines Tages die Wohnung gekündigt wird. Sie möchte nun bei ihm einziehen. Und zu allem Überfluss taucht ein Teenager auf, der behauptet sein Sohn zu sein. Nun gerät sein sorgsam geordnetes Leben total durcheinander..

Die Autorin Anne Tyler macht sich über Micah ab und zu lustig, begegnet ihm aber überwiegend “liebevoll.” Ihr geling es meisterhaft, Interesse für die eher “langweilige” “unspektakuläre” Figur zu wecken und schildert bewundernswerte Alltagsbeschreibungen. Ein großes Lesevergnügen!

 

Anne Tyler: Der Sinn des Ganzen, Kein & Aber, 22 €

 

 

Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht

Gerade mal Lust auf eine weite Reise? Dann bitteschön: steigen Sie doch einfach ein in Mikael Niemis „Wie man einen Bären kocht“ und lassen sich entführen in ein nordschwedisches Dorf im Jahr 1852. Einmal dort angekommen, werden Sie unmittelbar hineingesogen in eine opulente Geschichte um ein totes Mädchen und einen toten Bären, um den charismatischen Prediger Laestadius und seinen Zögling, den samischen Jungen Jussi, entfernte Verwandte von Sherlock Holmes und Dr. Watson.


Mikael Niemi, von dessen „Populärmusik aus Vittula“ wir schon absolut hingerissen waren, hat's wirklich drauf: schreibend zaubert er Farben und Formen, Töne und Gerüche, Bilder und Szenen, Stimmungen und Spannung – eine eigene Welt.

Wir wünschen eine gute, erlebnisreiche, entspannte Reise.

 

Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht, btb Verlag, 20 €

 

 

Monika Helfer: Die Bagage

Maria Moosbrugger ist eine wunderschöne junge Frau im Voralberger Land. Sie ist verheiratet mit Josef, einem jungen, aber schwierigen Mann. Sie leben mit ihren zwei Kindern weit weg vom Dorf  in ärmlichen, ländlichen Verhältnissen.

Als Josef 1914 in den Krieg ziehen muss, ist Maria gezwungen, allein für ihre Kinder zu sorgen. So kommt es, dass verschiedene junge Männer sich um die schöne Maria bemühen. Als Maria nun auch noch schwanger wird, geht im Dorf der Klatsch los. Ist der Vater einer der Verehrer? Josef wird mit diesem “Kuckuckskind” bis zu seinem Tod nicht reden.

Maria ist die Großmutter , Grete die Mutter der Autorin. Mit ihrem Roman ist ihr etwas ganz Außergewöhnliches gelungen. Sie hat Erinnerungen aus der Familie zusammen getragen und tastet sich behutsam und mit großer Zärtlichkeit jeder der einzelnen Personen an. Eine wunderbare, sensible Geschichte, unbedingt lesen!

 

Monika Helfer: Die Bagage, Hanser, 19 €

 

 

Luca Ventura: Mitten im August

 

Auftakt einer neuen Krimireihe, die auf Capri spielt.
Bisher hat es der Inselpolizist Enrico Rizzi nur mit kleinen Delikten zu tun und somit noch genügend Freizeit, um seinem Vater beim Obst und Gemüseanbau zu helfen. Dann aber wird im August ein Boot mit einem leblosen Körper darauf  an den Strand getrieben. Bei dem Toten handelt es sich um einen Studenten der Ozeanologie, Sohn einer reichen Industriellenfamilie aus Turin. Jetzt ist Rizzi gefordert: sein erster Mordfall, der scheinbar auch einen umweltpolitischen Hintergrund hat. Gleichzeitig muss er sich auch noch mit seiner neuen Kollegin arrangieren, die auf die Insel strafversetzt wurde.

Fazit: Sympathische Hauptakteure, Spannung vor umwerfender Kulisse und auch für schwach besaitete Krimileser als Lesefutter bestens geeignet.

 

Luca Ventura: Mitten im August, Diogenes, 16 €

 

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir

 

Endlich als Taschenbuch verfügbar, dieser Roman, der uns allen den Atem verschlagen hat. Der berichtet von der 40jährigen Lehrerin Ilaria, die glaubte, ihren Vater und ihre Familie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters ... Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.

Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im "richtigen" Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

 

Francesca Melandri: Alle, außer mir, btb, 12 €

 

 

 

Alex Capus: Königskinder


Als Max und Tina in ihrem Auto eingeschneit auf einem Alpenpass ausharren müssen, erzählt Max eine Geschichte, die genau dort in den Bergen, zur Zeit der französischen Revolution, ihren Anfang nahm: Jakob ist ein Knecht aus dem Greyerzerland. Als er sich in Marie, die Tochter eines reichen Bauern, verliebt, ist dieser entsetzt. Er schickt den Jungen erst in den Kriegsdienst, später als Hirte an den Hof Ludwigs XVI. Dort ist man so gerührt von Jakobs Unglück, dass man auch Marie nach Versailles holen lässt.

 

Alex Capus erzählt hier eine hinreißende Liebesgeschichte, die schönste seit "Léon und Louise". 

 

Alex Capus: Königskinder, DTV, 10,90 €

 

 

Katja Just: Barfuß auf dem Sommerdeich

 

Katja Just wagt mit 25 Jahren einen großen Schritt: Sie verlässt München und zieht auf die knapp sechs Quadratkilometer große Hallig Hooge. Hier eröffnet sie am Landsende eine kleine Pension. Es ist ein Leben mit dem Rhythmus von Ebbe und Flut, ein Ort, wo sie lernt Stille auszuhalten, aber auch Sturm und Landunter. Mit Humor und Liebe zum Detail berichtet Katja Just vom Stolz der Friesen, von zwei- und vierbeinigen Pensionsgästen, von Traditionen und Festen und die besondere Verbundenheit der Bewohner zu ihrem Eiland. Sie verrät uns auch, warum sie die Entscheidung für ihren Sehnsuchtsort nie bereut hat…! Eine wunderbare Sommerlektüre! Unbedingt lesen!

Katja Just, Barfuß auf dem Sommerdeich, Eden Books, 9,95 €

 

 

Laura Freudenthaler: Die Königin schweigt

Fanny, die »Königin«, ist eine vom Schicksal immer wieder hart getroffene Frau, die ihren Lebensabend alleine verbringt und über alles Vergangene schweigt.
Auch das Tagebuch auf ihrem Nachtkästchen, ein Geschenk ihrer Enkelin, lässt Fanny unberührt liegen, statt es Seite für Seite mit den Tragödien des Erlebten zu füllen. Doch in Tagträumen und schlaflosen Nächten kann sie sich der Erinnerungen nicht erwehren, und so zieht ihr ganzes Leben in aufwühlenden Bildern an ihr vorbei: Wir begleiten Fanny durch alle Lebensphasen, beginnend mit der Kindheit auf dem elterlichen Hof in den 1930er-Jahren bis nahe an ihren Tod.
Ein sprachlich fein erzähltes und wunderbares Porträt einer Frau, das zutiefst berührt.
Ein kleiner Roman, aber ein großer, intensiver Lesegenuss!

Laura Freudenthaler: Die Königin schweigt, btb Verlag, 10 €

 

 

John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt

 

Das Buch der Stunde, das uns Hoffnung macht! Ein kleines Dorf. Eine Epidemie und eine globale Krise. Und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir gut handeln, wenn alles auf dem Spiel steht?

 

John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt, Fischer TB, 12 €

 

 

 

Shaun Bythell: Tagebuch eines Buchhändlers

 

Wigtown, Schottland. The Book Shop, die größte Second-Hand-Buchhandlung des Landes, ist ein Paradies für Buchliebhaber. Die Bücherregale reichen bis zur Decke, die Regalböden hängen durch ob ihrer verführerischen Last. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Was Sie als Kunde nicht sehen, sind die Probleme im Hintergrund, mit denen sich der Besitzer Shaun Bythell herumschlagen muss. In seinem "Tagebuch eines Buchhändlers" erzählt er aus seinem Arbeitsalltag zwischen Amazon, Büchern, Festvals, verrückten Kunden und noch verrückteren Mitarbeitern.

Wundervoll amüsant und liebevoll! Überzeugen Sie sich selbst: https://youtu.be/n2caiU5Bu-k

 

Shaun Bythell, Tagebuch eines Buchhändlers, btb, 11 €

 

 

 

 

Dora Heldt: Mathilda oder Irgendwer stirbt immer

 

Mathilda liebt ihre Familie und das Dorf, in dem sie lebt. Und so möchte sie am liebsten auch, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber das dies nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand, und so wird der Sommer in Dettebüll sehr turbulent und der Dorffrieden gründlich aus den Angeln gehoben.
Eine liebevoll-schräge Komödie über ein nordfriesisches Dorfidyll, in dem von einem Tag auf den anderen nichts mehr so ist, wie es war.

 

Dora Heldt: Mathilda oder Irgenwer stirbt immer, DTV, 16,90 €

 

 

 

Charlie Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd

Bücher, die über schwere Zeiten hinweghelfen können, gibt es wie Sand am Meer.

Umso wichtiger sind sie in diesen Zeiten von "Social distancing". Dann werden Bücher zu wertvollen Wegbegleitern. Dieses Buch ist ein solcher Wegbegleiter und trifft dabei mitten ins Herz.

 

Ein einsamer Junge und ein Maulwurf begegnen sich, ein Fuchs und ein Pferd schließen sich ihnen an. Sie alle fühlen sich von der Welt im Stich gelassen, doch in ihren Gesprächen über ihre Angst und Einsamkeit geben sie sich gegenseitig Kraft und Unterstützung. Ein Buch voller Hoffnung in unsicheren Zeiten und über die heilende Kraft der Freundschaft.

 

Charlie Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd, List Hardcover, 20 €

 

 

 

Marlen Haushofer: Die Wand

Wer für die zuweilen dystopische Stimmung im Außen ein literarisches Pendant sucht, dem sei unbedingt Marlen Haushofers „Die Wand“ empfohlen, diese ganz einfach erzählte Geschichte einer Frau, die eines Morgens nach einem Ausflug in den Bergen aufwacht und eingeschlossen ist, ringsum eine unsichtbare, unüberwindbare Wand, dahinter Totenstarre. Was ihr bleibt: ein eng begrenzter Lebensraum in wilder Natur, ein Hund, eine Katze, eine Kuh, eine Hütte. Hier richtet sich unsere Heldin, eine Städterin, ein - mit beispielgebendem Pragmatismus.

Die Österreicherin Marlen Haushofer (1920-1970) hat ihr doch umfangreiches erzählerisches Werk „nebenbei“ verfasst, neben ihren Aufgaben als Zahnarztgattin, Hausfrau und Mutter. Entdeckt wurde sie erst posthum, in den 1980er Jahren.

Wofür steht – als Metapher - die Wand? Diese Frage hat damals in Frauenkreisen Diskussionsabende gefüllt – ergebnislos.

Marlen Haushofer: Die Wand, List 10 €

 

 

Verena Güntner: Power

Dieses Dorf, umgeben von Wald und Wiesen, ist von Gott und der Welt verlassen, die Zurückgeblieben sind in der Überzahl alt und gefangen in ihrem Kosmos voller Stumpfsinn, Habgier, Misstrauen, Neid. Doch zum Glück gibt es da auch noch ein paar Kinder und an ihrer Spitze die charismatische Kerze, die für ihr Dorf kämpft und die sich mit ihrer Gefolgschaft eines Tages aufmacht, um Power zu finden. Der Hund der alten Hitschke ist spurlos verschwunden, sie suchen ihn im Wald, entfernen sich immer weiter von ihren Eltern und dringen tiefer und tiefer ein in die Natur. Währenddessen schlägt im Dorf die Sorge um die Kinder in Panik um, die dünne Schicht aus Zivilisation an der Oberfläche des Zusammenlebens bricht auf...

Phantastisch, exzentrisch, verstörend, sprachgewandt – und nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse: viele Qualitäten des Romans, die uns veranlassen, Ihnen Verena Güntners „Power“ ans Herz zu legen. Sie werden allerdings aushalten müssen, dass das Buch mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt. Was Ihnen im Gegenzug erspart bleibt (Achtung, Spoiler!): die Geschichte endet nicht in einer Katastrophe.

Verena Güntner: Power, Dumont Verlag 22 €

 

 

Peter Zantingh: Nach Mattias

"Eine Woche nach Mattias wurde sein Fahrrad  geliefert“. So beginnt der Roman des niederländischen  Autors Peter Zantingh. Er erzählt hier was geschieht, wenn ein Mensch plötzlich und unvorhergesehen aus dem Leben gerissen wird und eine Lücke in seinem Umfeld zurücklässt. Zantingh spannt beim Erzählen einen weiten Bogen.  Zum einen gibt es das direkte Umfeld von Mattias, die unmittelbar Betroffenen, wie Freundin, Eltern und Großeltern, den besten Freund, das zu Wort kommt, aber auch Personen, dessen Leben er nur gestreift zu haben scheint bekommen hier eine Stimme. Sie alle verarbeiten den Verlust auf Ihre eigene Art und Weise und suchen ihren Weg zurück ins normale Leben. Nichts geschieht hier zufällig, alle Charaktere sind wie durch ein fein gesponnenes Netz miteinander verbunden, alles fügt sich im Verlauf dieses Buches, wie bei einem Puzzle, Stück für Stück, manchmal auf völlig unerwartete, aber sehr gekonnt erzählte Art und Weise, zusammen. Nach und nach wird klar; Mattias war ein vielschichtiger Mensch; er managte Newcomerbands, gab Nachhilfe und plante seinen Job zu kündigen, um mit seinem besten Freund ein Café zu eröffnen. Er war ein fröhlicher Mensch der Musik liebte und Menschen von seinen Ideen begeistern konnte. „Nach  Mattias“ ist keine Trauergeschichte im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein unglaublich mutig und lebendig erzähltes Buch. Am Ende, konnte ich nur schwer dem Impuls widerstehen es sofort wieder von vorne zu beginnen; jetzt mit einer klaren Vorstellung des Menschen, der Mattias für seine Familie und Freunde gewesen ist. Was bleibt ist das Gefühl ein wunderbares und sehr berührendes Buch gelesen zu haben sowie eine Playlist von Songs am Ende des Buches. Sie alle spielen im Verlauf der Geschichte eine große Rolle und geben dem Leser die Möglichkeit den Roman nachwirken lassen zu können.

Peter Zantingh: Nach Mattias, Diogenes 22 €

 

 

 

Sigrid Nunez: Der Freund

 

Kennen Sie diese Symptome? Einen Trennungsschmerz, der in manchen, in seltenen Fällen mit der Lektüre der letzten Seiten eines Buches auftaucht? Und dann bleibt für einige Zeit...
Ich fühle mich immer noch wie verstoßen aus dem Kosmos unserer Ich-Erzählerin, einer Schriftstellerin, Mieterin eines 45-Quadratmeter-Appartements mitten in Manhattan. Sie erbt nach dem Suizid ihres besten Freundes dessen riesigen schwarz-weißen Doggenrüden namens Apollo. Sie nimmt das Erbe an.
Und dann dürfen wir sie begleiten auf Spaziergängen durch New York, über den Strand von Long Island und durch ihre Gedankenräume voller inspirierender Reflexionen über den Tod und die Trauer, das Leben und das Schreiben und über die Liebe - die zu Menschen und die zu Tieren. Es sind Wege voller Leichtigkeit. Und es bleibt am Ende ein Spiel mit den Möglichkeiten von Literatur: war das alles so oder doch ganz anders?

Sigrid Nunez: Der Freund, Aufbau Verlag, 20 €

 

 

 

Elif Shafak: Unerhörte Stimmen

Tequila Leila, die Hauptfigur in Elif Shafaks neuem Roman, ist tot.
Sie wurde ermordet. Bereits bevor das Buch beginnt ist ihr Leben vorbei. Zehn Minuten und 38 Sekunden, so fanden Forscher der Universität von Ontario heraus, sendet das Gehirn eines Menschen noch sogenannte Delta-Wellen aus. Obwohl Leilas Körper schon klinisch tot ist, erinnert sie sich an Vergangenes. Jeder Minute dieser Zeit widmet Elif Shafak ein eigenes Kapitel, in dem sie ihrer Heldin Zeit lässt, sich an die wichtigsten Stationen und Menschen in ihrem Lebens zu erinnern.
Wie sie als Kind streng religiöser Eltern aus Ostanatolien, zu einer jungen Frau wird, die aus der familiären Enge heraus nach Istanbul flieht und dort in einem Bordell landet. 

Leilas Geschichte ist geprägt von Unterdrückung, und Gewalt, aber sie ist dennoch kein Opfer Ihrer Geschichte, sondern eine liebenswerte und starke Frau, die immer weiter kämpft und sich nie aufgibt.

Fünf ganz besondere Menschen, die wie sie als Außenseiter am Rande der Gesellschaft leben und mit denen sie eine tiefe und intensive Freundschaft verbindet, helfen ihr dabei sehr und stehen ihr auf liebevolle Weise zur Seite, bis über ihren Tod hinaus.
Das alles beschreibt Elif Shafak mit sehr poetischen Formulierungen und ihr gelingt es so, ein ganz besonderes Spannungsfeld zwischen sprachlicher Schönheit und der brutalen Realität eines Lebens in der Millionenmetropole Istanbul der 90er Jahre, zu erzeugen.

Der Geschichte, die hier erzählt wird, mangelt es nicht an Aktualität, sie beschreibt ein zerrissenes Land und sie erzählt von all denen, die zu oft unerhört bleiben.

Elif Shafak: Unerhörte Stimmen, Kein & Aber, 24 €

 

 

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Schon wie in ihrem 2011 erschienenen Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“, der von einer unmöglichen Liebe zwischen einer fast

17-ährigen und einem über 20 Jahre älteren Bauern handelt, macht sich Daniela Krien auch in diesem Buch auf zu ergründen, was zur Liebe und deren Scheitern führen kann.

Um fünf Frauen geht es in diesem Roman. Sie alle leben in Leipzig und sind selbstbewusste, eigenwillige Frauen, die alle ihre Schicksale zu meistern haben. Paula ist Buchhändlerin, Judith Ärztin, Brida Schriftstellerin, Malika Musiklehrerin und Jorinde Schauspielerin. Auf den ersten Blick führen alle ein gutes bürgerliches Leben, doch scheint keine von Ihnen ihren festen Platz oder ein beständiges Lebens- und Familienglück gefunden zu haben.

Daniela Krien widmet  jeder dieser Frauen ein eigenes Kapitel, Handlungsstränge überschneiden sich, zeitweise werden die Lebenswege der fünf Frauen auf kunstvolle Weise miteinander verbunden. Sie gehen Beziehungen ein, heiraten, bekommen Kinder, haben Affären,  trennen sich, leben in Patchworkfamilien, kämpfen um das Sorgerecht für Ihre Kinder.

Das alles, kennt man aus vielen anderen Romanen. Jedoch versteht Daniele Krien es in diesem Fall sehr lebensnah und klug, in ihrem ganz eigenen Ton aus nächster Nähe zu beschreiben. Stück für Stück legt sie die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonistinnen frei und macht sie uns in ihrer so herrlich präzisen und äußerst schnörkellosen Sprache zugänglich.

Und auch, wenn es all diesen Geschichten an „Ernstfällen“ so gar nicht mangelt, ist es überhaupt kein deprimierendes Buch, sondern ein sprachliches Vergnügen, ein intensiver und nachhaltiger Lesegenuss.

Daniele Krien: Die Liebe im Ernstfall, Diogenes, 22 €

 

 

Mechthild Borrmann: Grenzgänger

Das Eifeldorf heißt „Velda“, nicht Mützenich. Hier wächst Henni als ältestes von vier Kindern heran, ein starkes, wildes Mädchen, das am liebsten im Hohen Venn spielt. Der Vater ist Uhrmacher, seit seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg zittern ihm so stark die Hände, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Mutter schuftet sich für die Familie zu Tode. Mit 17 Jahren übernimmt Henni die Verantwortung für ihre Geschwister und den schwachen Vater und tut nur, was sie gut kann und was so viele damals tun: sie schmuggelt Kaffee. Aber sie wird schwer bestraft: es kommt zu einer Katastrophe, die andere nach sich zieht. Jahre später steht Henni in Aachen vor Gericht, angeklagt des zweifachen Mordes.

Mechthild Borrmann, vielfach prämiierte Schriftstellerin, unter anderem Trägerin des renommierten Deutschen Krimipreises, nimmt auch in „Grenzgänger“ die Krimihandlung zum Vorwand, um eine andere relevantere Geschichte zu erzählen: die von der Ausgeliefertheit des Einzelnen an die Läufe der Zeit, in die er hineingeboren wurde, die von Hoffnungen und ihrer Zerstörung, von kleinem Glück und grausamem Schicksal, von Unrecht, das zu Recht wird.

Was wir hier erfahren, betrifft uns sehr: es ist uns zeitlich gar nicht fern und örtlich so nah.

Mechthild Borrmann: Grenzgänger, Droemer/Knaur, 10,99 €

 

 

 

 

 

Angelika Waldis: Ich komme mit

"Ich komme mit" ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, zwischen zwei ungleichen Menschen, die sich beide auf eine letzte Reise begeben.

Der junge Lazy und die alte Vita wohnen beide im selben Haus und werden eher unfreiwillig zu Freunden. Zuerst bilden sie lediglich eine Art Schicksalsgemeinschaft, denn der schwerkranke Lazy hat niemanden, der sich um ihn kümmert. Nach und nach erkennen die alte Dame und er, dass sie den gleichen Humor und einen sehr unkonventionellen Blick auf das Leben haben. Sie beginnen ein Spiel, in dem sie sich erzählen, was das Leben gerade für sie ist. "Leben ist das Kräuseln des Spiegeleis am Rand", "Leben ist die Wärme im Hundeohr" oder "Leben ist ein Geschenk, man kann es nur einmal auspacken".

Die Schweizer Autorin, Angelika Waldis beeindruckt mit ihrer klugen und einfühlsamen Sprache, voller Wortwitz und Spielereien. Es ist ein Stil, der uns als Leser sogleich in den Bann zieht. Obwohl sie das Tabuthema Tod aufgreift, ist "Ich komme mit" ein heiteres und lebensbejahendes Buch. 

Leben ist, ein Buch wie dieses zu lesen!

Angelika Waldis: Ich komme mit, Goldmann, 10 €

 

 

 

 

 

 

Paolo Cognetti: Acht Berge

Jetzt endlich im Taschenbuch!

Paolo Cognettis autobiographisch inspirierter Roman "Acht Berge" hat seinen Schauplatz in den italienischen Alpen, im Monte Rossa Massiv und erzählt von einer intensiven Freundschaft. Pietro, der Erzähler, Sohn von Intellektuellen aus Mailand, verbringt die Ferien seiner Kindheit in den Bergen und lernt dort Bruno, den Sohn eines einfachen Bergbauern, kennen.

Sie erkunden gemeinsam die Natur, streifen durch die Täler und besteigen so manchen Gipfel. Es ist der Beginn einer lebenslangen Verbindung, voller Gegensätze, die auch dann noch Bestand hat, als die beiden erwachsen werden und vollkommen unterschiedliche Lebenswege gehen. Pietro zieht es, als Dokumentarfilmer, in die Welt hinaus. Er wird die Sehnsucht nach den Bergen sein Leben lang nicht verlieren. Sie sind für ihn ein Rückzugsort, ein Ort der Selbstfindung und Meditation und so kehrt er immer wieder dorthin zurück. Bruno, führt ein einfaches und zurückgezogenes Leben. Er wird sein Bergdorf nie verlassen, gründet eine kleine Familie und versucht die Käserei seines Vaters wieder aufzubauen.
In einer leisen, sehr berührenden und eindringlichen Sprache beschreibt Cognetti diese beiden Lebenswege und die faszinierende Welt der Berge, als Ort von dem viel Schönheit, aber auch grausame Naturgewalt ausgehen kann.
Ein Roman mit viel Tiefe, der uns nachdenken lässt über die Sehnsucht nach Heimat und Wahrhaftigkeit.
Welches Leben ist das Richtige? Muss man jede Gelegenheit nutzen und die Welt erkunden? Oder sollte man sich auf seine Wurzeln besinnen und damit zufrieden sein was man hat? Wer wird am Ende seines Lebens der Glücklichere sein? Pietro, der Weitgereiste, oder Bruno der Genügsamere von beiden?

Ein wunderschönes Buch zum Abtauchen und Innehalten.

Paolo Cognetti: Acht Berge, Penguin, 10 €

 

 

Anne Reinecke: Leinsee

 

Was für ein bunter und lebendiger Roman. Anne Reinecke führt uns in die Künstlerwelt am Leinsee. Fast malt sie Bilder mit ihren Worten.

Dieser Roman ist so bunt und vielschichtig, fast wie ein kunstvolles Gemälde. 

Harte Fakten und Ereignisse erschlagen uns hier nicht, so behutsam schleichen sie heran. Reineckes besonderer Ton macht es aus. Jedes Kapitel besitzt seine eigene Farbe, einen eigenen Anstrich und dadurch seine besondere Lebendigkeit.

Leinsee ist ein Buch der Überraschungen, der Wendungen, die wir vielleicht ahnen, aber nicht auszusprechen wagen. So viel sei verraten; es geht auch um die Liebe, und dass die Liebe eben Zeit braucht. Und über das Glück, seinem Leben eine Wendung zu geben, darüber, dass es ein "zweites" Erwachsenwerden geben kann.

Alles in Allem, ein äußerst vielversprechendes Debüt, frisch und frei erzählt.

Anne Reinecke: "Leinsee", Diogenes Verlag, 13 €

 

 

 

 

 

 

Fernando Aramburo: Patria

Patria heißt Vaterland, Heimat. Was bedeutet Heimat? Darum geht es in diesem Buch.

Erzählt wird aus der Sicht zweier Frauen und ihrer Familien, die in einem kleinen Dorf im Baskenland leben, zur Zeit, als die ETA ihren lange währenden Unabhängigkeitskampf beginnt. Einst eng befreundet werden sie schlagartig zu erbitterten politischen Widersachern.

Aramburo versteht es auf meisterhafte und mitreissende Weise, eine äußerst komplexe historische Geschichte um die baskische Unabhängigkeitsorganisation anhand von zwei Familiengeschichten, zu erzählen. Immer wieder wechselt er dabei die Erzählperspektive, schert sich um keine Chronologie und schafft es am Ende doch, alles auf verblüffende Art und Weise zusammenzuführen.

Dem regelrechten Sog, der sich beim Lesen dieses Romans unweigerlich einstellt, können wir uns nur schwer entziehen.

Ein berührender Roman, der uns mit der Frage konfrontiert: "Gibt es die Möglichkeit der Aussöhnung mit den Tätern von damals, über alle erlittenen Schrecken hinweg?" 

Völlig zurecht wurde dieser Roman mit den größten spanischen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Fernando Aramburo: "Patria", Rowohlt Verlag, 14 €

 

 

 

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky kann zaubern. Über die Lektüre ihres Romans „Was man von hier aus sehen kann“ wirken ihre Kräfte vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder literarischer Bildung im tiefsten Inneren eines Menschen. Ein breites Lächeln, gerundete Augen, die Körpersprache seliger Versunkenheit sind nur äußere Symptome, drei von vielen.

Haben wir je zuvor ein solches Buch in deutscher Sprache lesen dürfen? Eines, das alle verzückt, auch die schärfsten Kritiker des Feuilletons? Das in einem Dorf in tiefer Provinz die ganze Welt abbildet und hier die großen Themen ausbreitet, das Leben, das Sterben und vor allem die Liebe, die nahe und die ferne, die unerreichbare und die sich erfüllende? Das immer wieder ein Okapi als Todesboten in die Träume von Großmutter Selma entsendet und den magischen Realismus im Westerwald neu beheimatet? Das vom Wunder des Menschseins erzählt, indem es über ein Vierteljahrhundert seine Dörfler begleitet, ein jeder ausgeprägt individuell bis extrem skurril, aber vorbehaltlos liebenswert? Das weiß, dass alles eins ist und „die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben“ einfordert?

Das, nachdem die letzte Seite gelesen ist, mit seinem Charme, seiner Fantasie, seinem Witz und seiner Originalität unwiderstehlich dazu verführt, sofort nochmals von vorne zu beginnen?

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“, DuMont Verlag, 12 €

 

 

 

 

Daniel Kehlmann: Tyll

Nach "Die Vermessung der Welt" hatte Daniel Kehlmann öffentlich beschlossen, keine historischen Romane mehr schreiben zu wollen. Dann kam Tyll.  "Ich ging davon aus, dass man mich schon nicht einsperren würde", kommentierte er auf der Frankfurter Buchmesse. Hat man nicht, man feiert ihn: "Tyll" gilt als das brillanteste Buch dieses überaus brillanten Autors.

Dabei ist Tyll, lange bevor es ein historischer Roman ist, ein Manifest der Erzählkunst, das sich nicht so sehr schert um Fakten. Das beginnt schon sehr prägnant mit der titelgebenden Figur: der historische Till Eulenspiegels lebte drei Jahrhunderte vor der Zeit des Romans, vor dem 30jährigen Krieg.

Tyll ist bei Kehlmann der Narr, der hin und wieder nur auftritt, um vogelfrei auf einem Seil über den Köpfen zu tanzen, und das Feld oder Schlachtfeld zumeist denen überlässt, die wirklich närrisch sind. All denen, die diesen großen Krieg in Gang gesetzt haben oder ihn über drei Jahrzehnte aufrecht erhalten, allen voran dieser Winterkönig Friedrich I von Böhmen nebst Gattin Elisabeth Stuart. Wie sie, beide durchaus kindlichen Gemüts, auf der Suche nach einem Exil durch das verwüstete Land irren, das ist großartig beschrieben, detailreich, wortgewaltig, kunstfertig.

Dabei ist "Tyll" keineswegs ein Antikriegsbuch, allenfalls eines über den Wahnsinn, der zur Normalität geworden ist, ein farbenprächtiges Panorama aus düsteren Zeiten, eines über Könige und Feldherren, Universalgelehrte und Dichter, die Inquisition und auch einen Drachen. Der war, als er starb, 17000 Jahre alt und zu müde, um sich weiter zu verstecken.

Danie Kehlmann: "Tyll", Rowohlt, 12 €

 

 

 

 

Sabrina Janesch: Die goldenen Stadt

Vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass der wirkliche Entdecker der Inkastadt Machu Pichu in Peru, ein Deutscher namens Rudolf August Berns ist. 1867 und somit lange vor dem bis dahin geltenden Entdecker, dem Amerikaner Hiram Bingham, der die Stadt 1911 entdeckt haben soll.
Das hat die Autorin dazu gebracht sich auf die Spuren dieses Deutschen zu begeben, von dem man bis dahin so wenig wusste. Sie hat für diesen Roman seine Geschichte recherchiert, sich durch viele Archive und Aufzeichnungen gelesen und sich auf die Reise in die Anden gemacht, auf die Spuren von Rudolf August Berns.
Wir erfahren, dass Rudolf August Berns 1842 als Sohn eines Weinhändlers in Uerdingen zur Welt kommt. Schon als kleiner Junge hat er am Rhein Gold gewaschen und sich in ferne Länder und Welten geträumt, stark beeinflusst durch die Schriften von Alexander von Humboldt, den er in Berlin wahrscheinlich sogar einmal getroffen hat. 
Er beschliesst sich auf den Weg nach Peru zu machen, um die goldene Stadt, von der er schon so viel gelesen hat, zu finden.
In Peru angekommen, nennt er sich fortan Rudolfo Augusto Berns, er arbeitet als Ingenieur und Vermesser beim Bau der Eisenbahn mit, ist beim Bau des Panamakanal beteiligt…
… um dann schließlich die sagenumwobene Stadt der Inka zu entdecken.
Dieses Buch ist ein großes Lesevergnügen, ein großer Abenteuerroman, sehr gut recherchiert, phantastisch und fesselnd erzählt mit einem sehr sympathischen Helden. Er zeigt, was es bedeutet für seine Träume zu leben und ist eine Hommage an die Grenzenlosigkeit der menschlichen Neugier.

Sabrina Janesch: "Die goldenen Stadt", Rowohlt, 12 €

 

 

 

Mathieu Ricard „Glück“, das vielleicht wichtigste Buch in unserem LeseZeichen

Ricard, Franzose, Sohn eines Philosophen und einer Malerin, Neffe des ersten Einarmumseglers der Welt, aufgewachsen im Dunstkreis von Intellektualität, Künstler- und Abenteurertum, studierter und promovierte Biologe, Mitarbeiter des institut pasteur. Das sind nur die Kerndaten einer vergleichsweise kurzen Phase seiner Biografie. Sein Leben begann nach eigener Aussage erst danach: mit der Entdeckung des tibetischen Buddhismus. Zu dessen Kernaussage bahnt er uns in „Glück“ in klaren, einfachen Worten einen Weg: An welchem Ort der Welt Sie auch immer ihr Glück suchen: Sie suchen vergebens. Das Glück, es liegt ganz nah – in uns – und nur da.

 

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